Zahntourismus: Mit dem Shuttle zum neuen Gebiss

Reportage mit Video29. Mai 2014, 11:59
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In die Grenzstadt Mosonmagyaróvár verschlägt es die Österreicher dann, wenn der Zahn drückt und die Krankenkasse nicht übernimmt

Den 32.490 Bewohnern von Mosonmagyaróvár stehen mehr als 150 Zahnarztpraxen und drei große Kliniken zur Verfügung, die ungarische Kleinstadt hält damit sogar einen Weltrekord. In Österreich teilen sich 2.180 Patienten eine Praxis - zehnmal so viele wie in Mosonmagyaróvár.

Ein nicht unerheblicher Teil der Österreicher pilgert allerdings ohnehin nach Ungarn und lässt sich dort die Zähne behandeln, besonders dann, wenn die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt.

usslar

Die Bewohner der Stadt nahe dem Grenzübergang Nickelsdorf haben die Zahntouristen als Einnahmequelle entdeckt und bieten ihnen neue Frisuren, Fußpflege und billigen Tand.

Arbeitsplätze durch Shuttlebus und Dolmetscher

Ein Großteil der Mosonmagyaróvárer ist allein durch das Zusatzangebot zur Zahnbehandlung beschäftigt. So bieten die großen Kliniken kostenlose Shuttlebusse, Hotels, Ausflüge nach Wien oder Budapest und Dolmetscher für beispielsweise Russisch, Arabisch, Französisch, Englisch, Italienisch und Deutsch an.

Implantate, Bleachings und Gebisse können durch die geringeren Personal- und Materialkosten bis zu 70 Prozent günstiger als in Österreich angeboten werden. Das preisen jedenfalls die vielen Werbetafeln an den Straßenrändern an.

Zahnarzt und zurück

Die Eingriffe sollen trotzdem österreichischen Standards entsprechen, wie Ärzte und Kliniken derStandard.at versichern. Auch die angereisten Österreicher sind zufrieden, viele von ihnen nicht zum ersten Mal da. Das Motiv für den Ausflug über die Grenze bleibt die Ersparnis beim Zahnarzt oder Friseur, für einen Besuch der Museen, der Burg oder des Heilbads reicht der dreistündige Aufenthalt zwischen Aus- und Einstieg in den Shuttlebus meist nicht.

Die Grenzöffnung kommt den Zahnarzttouristen nur gelegen: Sie freuen sich über den Wegfall von Verkehrsstaus, ärgern sich jedoch gleichzeitig über die Einwanderung aus Osteuropa. (Maria von Usslar, derStandard.at, 29.5.2014)

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