Exkommunikation von Kirchenkritikern: Riss zwischen Gläubigen

Kommentar23. Mai 2014, 18:02
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Wer je daran zweifelte, dass sich Klerus und kritische Laien in Österreich fast unüberbrückbar auseinandergelebt haben: Hier ist der Beweis

Bei den katholischen Kirchenvertretern, die nach der Exkommunikation der "Wir sind Kirche"-Vorsitzenden Martha Heizer und ihres Mannes bisher das Wort ergriffen haben, herrscht öffentliches Bedauern: Er empfinde es als "Niederlage", das Ehepaar, das wegen privater Messen ohne Priester als kirchenrechtlich abtrünnig gilt, nicht zum Umdenken bewegt zu haben, sagte der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer - er selbst hat den Kirchenbann ausgesprochen. Er hoffe weiter auf Einsicht der zwei Kritiker, "die Tür ist jederzeit offen", betonte der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn.

Vollwertige Mitglieder der römisch-katholischen Kirche können die Heizers aber nur noch wieder werden, wenn sie bereuen und widerrufen. Das jedoch ist höchst unwahrscheinlich, denn laut eigenen Aussagen schätzen sie ihre pfarrerlosen Eucharistiefeiern, finden es richtig, die heilige Kommunion auf diese Art zu begehen - und verbinden das mit einer Kritik am Priestertum an sich.

Wer je daran zweifelte, dass sich Klerus und kritische Laien in Österreich fast unüberbrückbar auseinandergelebt haben: Hier ist der Beweis. Und die Brisanz dieser Affäre überschreitet Österreichs Grenzen, denn Martha Heizer steht nicht nur hiesigen Kirchenkritikern, sondern auch deren weltweitem Zusammenschluss, dem International Movement We Are Church, vor. Somit dürfte dieser Kirchenbann die Entfremdung auch international steigern. (Irene Brickner, DER STANDARD, 24.5.2014)

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