Neuer Aufsichtsrat und Downgrade für Hypo 

23. Mai 2014, 17:38
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Drei Exbanker kontrollieren die Bank, eine Unternehmerin und eine Managerin, beide mit Vergangenheit in ÖVP und Ära Schüssel - Moody's stuft Hypo-Anleihen auf Ramsch herunter

Wien - Ganz so reibungslos wie erhofft hat es nicht funktioniert, aber geklappt hat es: Die staatliche Hypo Alpe Adria hat seit Freitag einen neuen Aufsichtsrat. Kurz die Darsteller: die drei Exbanker Herbert Walter (Dresdner Bank; er wird den Aufsichtsrat führen), Wolfgang Hartmann (Commerzbank) und Alois Hochegger (Kärntner Sparkasse AG) sowie Regina Friedrich (ehedem Managerin der familieneigenen Spedition Frikus) und Christine Sumper-Billinger (Geschäftsführerin des Bundesrechenzentrums).

Bestellt wurden die fünf in der außerordentlichen Hauptversammlung - davor hatten die bisherigen Kontrollore ihre Mandate niedergelegt. Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) hatte den Austausch des Gremiums am Dienstag (auch zur Überraschung der alten Mitglieder rund um Kontrollbank-Chef Rudolf Scholten) bekanntgegeben. Die Liste der Neuen hat das Ministerium aber dann erst am Donnerstagabend fertiggestellt: Zwei Kandidaten wurden erst rund zwölf Stunden vor der Hauptversammlung gefragt, ob sie den Job haben wollen. Noch Donnerstagmittag waren Manager gefragt worden, ob sie nicht eine passende Frau empfehlen könnten.

Ersatz für Wunschkandidaten

Mit einem Wunschkandidaten, der bereits im Aufsichtsrat einer anderen Bank sitzt, scheiterte Spindelegger überhaupt; in aller Eile musste am Donnerstag ein Ersatzkandidat gesucht werden.

Bisher hatte Kontrollbank-Chef Scholten (SPÖ) den Aufsichtsrat geleitet, zudem waren Kommunalkredit-Chef Alois Steinbichler, Ex-Notenbank-Generaldirektor Adolf Wala (SPÖ) und der ehemalige ÖBB- und RHI-Chef Helmut Draxler (SPÖ) im Gremium.

"Das neue Team" bedeutet nun laut Aussendung des Finanzministers "eine Professionalisierung und Entpolitisierung des Hypo-Aufsichtsrats, ausschließlich fachliche Kriterien waren ausschlaggebend" für die Besetzung.

Die Fakten dahinter: Hartmann wurde von Spindeleggers Hypo-Abbau-Berater Dirk Notheis gebracht. Der 64-jährige langjährige Risikochef der Commerzbank sitzt im Beirat von Rantum Capital, deren Managing Director Notheis ist. Hartmann hat 33 Jahre lang für die zweitgrößte Bank Deutschlands gearbeitet.

ÖVP-Nähe

Der Kärntner Hochegger hat bis 2012 die Kärntner Sparkasse AG geführt und war 2011 Präsident des Österreichischen Sparkassenverbands. In der Aussendung des Finanzministers hatte sich bei seiner Vorstellung ein kleiner Fehler eingeschlichen, darin war vom "aktuellen Präsidenten" die Rede - der Lapsus wurde korrigiert.

Die 52-jährige Grazerin Friedrich war lange Chefin der Spedition Frikus und im Aufsichtsrat der Steiermärkischen Sparkasse. 2012 hat sie das Unternehmen an die Lagermax-Gruppe verkauft; heute führt sie ihre eigene Immobilien-Design-Gesellschaft. Ganz unpolitisch dürfte die Frau nicht sein: Die Exvizepräsidentin der steirischen Wirtschaftskammer war bis 2013 immerhin Stellvertreterin des steirischen ÖVP-Obmanns Hermann Schützenhöfer.

Auch die Chefin des Bundesrechenzentrums (BRZ), Sumper-Billinger, ist nicht ganz parteifern: Die 40-jährige Steuerberaterin, die im BRZ seit 2007 unter anderem für IT, Rechnungswesen und Controlling zuständig ist, war von 2003 bis 2007 (Ära Schüssel) im Kabinett von Finanzminister Karl-Heinz Grasser; ab Juni 2006 als Vize-Kabinettschefin. Bei der Befragung Grassers im parlamentarischen U-Ausschuss zur Anschaffung der Eurofighter 2007 war sie an seiner Seite - als Vertrauensperson.

Gefahr in Südosteuropa

Wie auch immer: Die fünf Neuen werden viel zu tun haben, bis aus der Bank im September eine Abbaugesellschaft geworden ist - und danach. Derzeit steht der Verkauf der Südosteuropa-Banken an erster Stelle, selbiger muss bis Mitte 2015 über die Bühne gehen.

Die Flutkatastrophe könnte ihn aber erschweren. Denn: Sie gefährdet die Werte der Immobilien in den betroffenen Ländern - also auch die Sicherheiten für Kredite.

Schlechte Nachrichten kommen von der Ratingagentur Moody's. Sie hat die Hypo-Anleihen am Freitag auf Ramsch abgestuft. Der Hintergrund dafür ist die geplante Bad Bank. Mit ihr ist Spindelegger zufolge zwar eine Insolvenz der Hypo vom Tisch, doch will er auch Inhaber von Nachrang- und Partizipationskapital zur Kasse bitten. Mit der Herabstufung reagiert die Ratingagentur also auf das gestiegene Verlustrisiko für die Anleihegläubiger. (Renate Graber, DER STANDARD, 24.5.2014)

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