Whistleblower bringt Zoff für Steiermärkische

23. Mai 2014, 16:57
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In einem anonymen Brief werden Vorwürfe gegen Vorstand und Aufsichtsrat erhoben

Graz - Ein internes "Whistleblower-Papier" sorgt in der Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG für Unruhe. In dem wegen der Detailkenntnisse offensichtlich von Bankinsidern verfassten Brief an die Aufsichtsräte und den Sparkassenprüfungsverband werden schwere Vorwürfe gegen den Vorstand und Aufsichtsrat erhoben. Von Gefälligkeitsgutachten, möglichen Scheinrechnungen, von "überzogenen und unvertretbaren Kreditnachlässen" für Großkunden ist die Rede. Der Vorstand sei mit vier Mitgliedern gegen den geltenden Sparkurs zudem überbesetzt. Die "besorgte Gruppe von Mitarbeitern" verlange eine Sonderprüfung der Steiermärkischen, an der die Erste Bank mit 25 Prozent beteiligt ist.

Der Vorstandsvorsitzende der Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG, Gerhard Fabisch, bestätigt im Standard-Gespräch, dass der Brief bereits Gegenstand einer Prüfung der Innenrevision und des Sparkassenprüfverbandes sei. Er gehe aber davon aus, dass an den Vorwürfen "nichts dran" sei. Zu den Vorwürfen, Großkunden seien in der Bank an sich "nie übliche" Kreditnachlässe gegeben worden, argumentiert Fabisch allgemein, es gehe bei Krediten immer wieder um die grundsätzliche Frage, ob es in Krisenfällen zu Nachlässen oder neuen Geldzuschüssen kommen soll. Es werde stets abgewogen, welcher Weg für die Bank der günstigere sei, um letztlich auch eine ungünstigere Insolvenz abzuwenden. "Wir sind als eine sehr vorsichtige Bank bekannt", sagt Fabisch. Den vierköpfigen Vorstand halte er nicht für überbesetzt.

Prominenter Großkunde

Der prominenteste, namentlich genannte Großkunde im Brief ist Gilbert Frizberg, Industrieller und Verbund-Aufsichtsratschef. Dieser hält das Ganze für eine Intrige gegen seine Person. "Es ist ungeheuerlich, dass ich da mit hineingezogen worden bin", sagt Frizberg. Kritische Kreditfälle lägen Jahre zurück. Probleme habe es etwa beim Projekt Wien Mitte gegeben. Frizbergs Hereschwerke waren hier in einer Arbeitsgemeinschaft mit TH Anlagenbau im Zusammenhang mit Stark- und Schwachstrominstallationen tätig. TH Anlagenbau musste Insolvenz anmelden. Da seien "die Entwicklungen nicht absehbar" gewesen, sagt Frizberg heute.

Werner Tessmar-Pfohl, bis vor kurzem Aufsichtsratschef der Steiermärkischen und Vorsteher des Vereines der Steiermärkische Verwaltungssparkasse, nimmt den Brief "sehr ernst". Tessmar-Pfohl: "Das hat ein Insider verfasst, und das muss man sich sehr genau anschauen. Und mit Sensibilität den Dingen nachgehen." Er sei jedoch "in keiner Weise beunruhigt".

Ende Mai, sagt "Steiermärkische"-Vorstandschef Faber, werden die Prüfungsergebnisse vorliegen. In der ersten Juni-Woche werde dazu eventuell eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen. (Walter Müller, DER STANDARD, 24.5.2014)

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