Ohne Europa kein globaler Kunsthandel

23. Mai 2014, 18:04
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Etwa 80 Prozent der weltweit versteigerten Kunstwerke haben europäischen Ursprung

Die für 2013 global ausgewiesenen Kennzahlen des internationalen Kunstmarktes sind beachtlich: 2,5 Millionen Beschäftigte in 308.000 Unternehmen, die insgesamt mehr als 47 Milliarden Euro umsetzten. Gegenüber den USA (38 Prozent) und China (32 Prozent) liegt der Anteil Europas laut der jüngsten Tefaf-Studie (siehe Grafik) "nur" bei 26,5 Prozent. Das war nicht immer so, im Gegenteil, denn genau genommen muss Europa als Geburtsstätte des Kunstmarktes in seiner gegenwärtigen Form bezeichnet werden.

Hier verzeichnete der Kunsthandel in der Renaissance eine erste Hochblüte und schmiedeten Standesvertreter später Allianzen in Form gemeinsamer Verkaufsevents. Infolge entwickelte man Messeformate, die - wie die Art Basel dokumentiert - teilweise erfolgreich ins Ausland exportiert wurden (Miami Beach, Hongkong).

Vor allem aber nahm hier die Erfolgsgeschichte der Auktionsbranche ihren Anfang: 1707 wurde in Wien das Dorotheum gegründet, 1744 schwang erstmals Sotheby's-Gründer Samuel Baker ebenso in London den Auktionatorenhammer wie James Christie 1766. Wie viel die beiden Marktführer in Europa (Kontinental & UK) im Vergleich zu den Standorten in den USA und Asien jährlich erwirtschaften? Auf Anfrage gibt Sotheby's mit Verweis auf die Börsennotierung des Unternehmens keine Zahlen bekannt.

Ein Blick auf die Auktionsumsätze 2013 (5,23 Mrd. Dollar) zeigt, dass der Europa-Anteil bei 36 Prozent (oder 1,89 Mrd. Dollar) liegt (USA 46 Prozent, Asien 17 Prozent). Bei Kontrahent Christie's steuert Europa, bemessen am Umsatz aus allen Geschäftsbereichen (inkl. Online und Private Sales, 7,1 Mrd. Dollar), knapp 30 Prozent bei (USA 39 %, Asien 14 %).

Jedoch: Gute 80 Prozent der gehandelten Kunstwerke haben europäischen Ursprung, bestätigt Christie's-Europachef Dirk Boll. Dazu stellen europäische Käufer mit 53,8 Prozent die Kerngruppe der Klientel (USA 30,5 Prozent, Asien 15,7 Prozent), und selbst bei den weltweit gehandelten Sparten Impressionist & Modern sowie zeitgenössischer Kunst liegt ihr Anteil bei etwa 33 Prozent. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 24./25.5.2014)

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