Mehr Toleranz beim Sex mit Bankomaten!

Kolumne23. Mai 2014, 17:41
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Ein vernachlässigtes Medienthema

Aus dem schönen Ort Murfreesboro (Tennessee), der bis dato eigentlich nicht als Hort der gepflegten Gamprigkeit bekannt war, erreichen uns erregende Nachrichten. Laut einem Bericht der TV-Station WKRN Nashville wurde dort Lonnie H. (49) von der Polizei verhaftet, nachdem er in "Boros Bar and Grill" unvermutet die Hosen heruntergelassen und versucht hatte, mit einem Bankomaten zu kopulieren. Offenbar spielten dabei Rauschmittel eine Rolle. Dem Polizeiprotokoll zufolge roch H. beim Liebesakt "nach Alkohol".

Das Vorkommnis an sich ist trivial, bietet aber willkommenen Anlass für eine Reflexion über ein lange vernachlässigtes Medienthema. Während nämlich seit Conchita Wursts Song-Contest-Sieg alle Gazetten von Berichten über Homosexuelle und Transgenderleute förmlich übergehen, ist die sexuelle Identität von bzw. der Sex mit Bankomaten ein Tabuthema geblieben. Wahrscheinlich hat das mit der hässlichen Annahme zu tun, dass bei Beziehungen mit Bankomaten stets finanzielle Interessen mit im Spiel sein müssten.

Ein blankes Vorurteil, wie etwa das Beispiel des Wiener Zuckerbäckers Franz G. beweist, der seit zwei Jahren in einer Liebesbeziehung mit einem Bankomaten der Raiffeisen Zentralbank liiert ist ("Als ich zum ersten Mal seinen Schlitz gesehen habe, hab ich mich auf der Stelle in ihn verschossen"). Dass dabei "sein" Bankomat (Kosename: "Spuckerl") beim GV gelegentlich aus lauter Lust einen liebestrunkenen Extrahunderter ausgibt, tut da nichts zur Sache.

Das österreichische Recht kennt auch keinen Tatbestand, der den Verkehr mit volljährigen Bankomaten unter Strafe stellen würde. Selbst renommierte Moraltheologen können in dieser Art von Sex nichts Verwerfliches erkennen. Die Frage der Empfängnisverhütung stellt sich nicht, daher aus katholischer Sicht kein Problem, wenn jemand persönlich mehr auf kantigeren Sex steht und sich statt einer Gummipuppe lieber einen Bankomaten ins Bett holt.

Ein Sonderfall sind vielleicht jene Österreicher, die am Wochenende im kleinen Grenzverkehr nach Krumau oder Brünn fahren und sich dort in der Nacht ein Pantscherl mit einem Bankomaten der tschechischen Sparkasse anfangen. Die tschechischen Polizisten sehen das nicht so gern. Aber andererseits: Solange der Sex einvernehmlich stattfindet, wieso denn nicht? (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 24./25.5.2014)

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