Firmen wollen nicht an einer Quelle hängen

23. Mai 2014, 11:45
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Ein Kredit ist nicht mehr für jedes Vorhaben eines Unternehmens das richtige Instrument. Förderungen oder Factoring werden zur Alternative

Wien - Unternehmen sind in den Jahren der Krise vorsichtiger geworden. Nicht alles, was es zu finanzieren gilt, wird mehr über die Bank abgewickelt. "Unternehmer wollen nicht mehr nur an einer Finanzquelle hängen", sagt Gregor Deix, Bereichsleiter für Firmenkunden Österreich bei der Erste Bank. Ein Kredit sei zudem nicht für alles die richtige Finanzierungsquelle. In der Praxis zeigt sich laut Deix, dass Firmenchefs "zunehmend offen sind für alternative Finanzquellen".

Factoring, Leasing, Förderungen oder Crowdfunding nennt Deix als neue Quellen für Unternehmen. Als Bank will man seine Firmenkunden auch bei diesen Finanzierungen begleiten. "Als Bank geht es uns ja auch darum, eine gute Lösung mit dem Kunden zu finden", sagt Deix.

Dass die Finanzkrise das Verhalten der Banken bei der Kreditvergabe verändert hätte, lässt der Banker so nicht stehen. Freilich seien die Banken betroffen und gefordert, wenn es darum geht, die Risiken bei Krediten besser zu managen. "Auf die Kreditentscheidung wirkt sich das aber nicht aus", hält Deix fest. Es gehe noch immer darum, die Kreditfähigkeit und die Strategie des zu finanzierenden Vorhabens zu prüfen. Kredite seien durch die niedrigen Zinsen besonders günstig, aber "einen Nachfrageboom hat das nicht ausgelöst", sagt Deix.

Weil auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen im Moment nicht groß ist, hat man sich als Bank auch andere Features überlegt, um nahe am Kunden zu bleiben. Die Erste Bank bietet beispielsweise einen Stresstest für Klein- und Mittelbetriebe an, bei dem jeder Unternehmer online sieht, welche Änderungen bei bestimmten Parametern seinen Betrieb wie belasten. Mit dem Förderungscheck wurde eine Übersicht geschaffen, in welchen Bereichen überhaupt Fördertöpfe zur Verfügung stehen und wie diese angezapft werden können. In diesem Bereich gebe es laut Deix noch immer zu wenige Informationen. Vor allem für kleine Unternehmen, in denen es keinen Finanzmanager gibt, seien solche Tools und die Beratung der Bank hilfreich.

Die Chance für heimische Betriebe sieht Deix im Bereich Forschung & Entwicklung und in den Bereichen Gesundheit und erneuerbare Energie, "da gibt es eine gute Historie und Tradition", sagt Deix. Auch im Bereich E-Commerce sieht der Banker einen Aufholbedarf für heimische Betriebe.

Um das Unternehmertum und den Standort in diesem Lande wieder attraktiver zu gestalten, plädiert Deix für die Wiedereinführung des vor Jahren abgeschafften Investitionsfreibetrages. Auch Vereinfachungen bei der Gründung würden viele Unternehmer anspornen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 23.5.2014)

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