Vertrauen ist gut, Daten sind besser

22. Mai 2014, 18:04
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Bei internationaler Expansion sind vor allem KMU auf verlässliche Daten zu Lieferanten und Geschäftspartnern angewiesen

Wien - Ein italienisches Unternehmen fragt bei einem oberösterreichischen Dienstleister wegen einer Marktstudie an. Bei der ersten Lieferung funktioniert noch alles reibungslos, doch danach wird nicht mehr bezahlt. Am Ende stellt sich heraus, dass der Auftraggeber zwar in dem Unternehmen beschäftigt, aber nicht zeichnungsberechtigt war.

Es sind Erfahrungen wie diese, die heimische Unternehmen immer wieder machen, gerade wenn sie in bis dato für sie unbekannte Märkte expandieren wollen. "Unternehmen sind bei der Expansion auf gute Daten zu ihren Partnern angewiesen. Es geht oft um ganz simple Sachen. Gibt es überhaupt das Unternehmen, wer ist denn zeichnungsberechtigt", fasst Bernard Hötzl das Problem zusammen. Hötzl ist Mitgründer und Co-Geschäftsführer bei Kompany, einem Wiener Online-Anbieter von Firmeninformationen, der ebensolche Daten für 21 Millionen Unternehmen in 25 Ländern zugänglich macht.

KMUs sind besonders darauf angewiesen, dass sie ihre Auftraggeber und Lieferanten gut einschätzen können. "Im Gegensatz zu großen Unternehmen können kleine Firmen nicht nach dem Prinzip Trial und Error bei der Expansion verfahren", bestätigt Thomas Oberholzner von der KMU Forschung Austria.

Aktuelle Daten von der EU-Kommission zeigen, dass heimische KMUs stark mit anderen Unternehmen in der EU handeln. 14 Prozent exportieren, EU-weit sind es acht Prozent. Oberholzner erwartet angesichts der zunehmenden Harmonisierung im europäischen Binnenmarkt, dass heimische KMUs sich weiter internationalisieren werden.

Darauf setzt auch das Start-up Kompany, das Hötzl zusammen mit Russell Perry, Iris Pittl und Peter Bainbridge-Clayton 2012 gegründet hat. In den kommenden Wochen wird weiter expandiert, Daten aus zehn osteuropäischen Ländern sollen dazukommen, die USA werden folgen. In Österreich folgt die Zulassung als Verrechnungsstelle. Der Fokus auf geprüfte, offizielle Daten soll damit weiter bestehen. Auch Bonitätsauskünfte lassen sich mit einem Mausklick organisieren.

"Das Ziel ist, dass auch kleine Unternehmen den gleichen Informationsvorsprung wie Großunternehmen haben. Es geht darum, die aktuell bestehende Informationslücke zwischen kleinen und großen Unternehmen zu schließen", sagt Russell Perry, ebenfalls Co-Geschäftsführer von Kompany.

Dazu hat das Start-up zuletzt eine europäische Firmenidentitätskarte auf den Markt gebracht, eine Art Visitenkarte für Unternehmen, die wichtige Kennzahlen wie Steuernummern enthält. Online lassen sich die Firmenprofile, deren pro Monat eine Million angeklickt werden, mit verifizierten Informationen etwa zu Produkten ergänzen. "Gerade international tätige Unternehmen müssen sich heute professioneller präsentieren", glaubt Perry.

Die Expansion von Kompany in neue Märkte muss auch finanziert werden. Ende März hat es dazu eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,8 Millionen Euro gegeben, bei der Norbert Zimmermann, Hauptaktionär der Berndorf Industrieholding, seinen Anteil aufgestockt hat. Laut Unternehmensangaben hat Kompany heute rund 10.000 zahlende Kunden, vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum, und 15 Mitarbeiter. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 23.5.2014)

  • Damit die Luftsprünge bei der Ex- pansion auch auf sicherem Boden landen, brauchen Unternehmen verlässliche Daten.
    foto: apa/arne dedert

    Damit die Luftsprünge bei der Ex- pansion auch auf sicherem Boden landen, brauchen Unternehmen verlässliche Daten.

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