EZB-Strategie: In den Schwanz gebissen

Kommentar22. Mai 2014, 22:09
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Es ist nicht zuletzt die EZB, die den Banken Stress macht

Es scheint sich ein Kompromiss abzuzeichnen in der von schwacher Kreditvergabe und Inflation bedrängten Europäischen Zentralbank. Während Deutschland den Aufkauf von Wertpapieren nach dem als Quantitative Easing bekannten Vorbild der USA, Japans und Großbritanniens ablehnt, könnten weitere Zinssenkungen die Zustimmung der Bundesbank finden. Deren Chef Jens Weidmann schließt sogar negative Zinssätze auf die Einlagen, die Banken bei der EZB halten, nicht mehr aus.

Dass die Variante zielführend ist, darf bezweifelt werden. Es sind ja gerade die Südländer, in denen der Geldkreislauf stockt und Kredite nur gegen unverhältnismäßig hohe Zinsen zu erhalten sind. Das schreckt - neben der allgemein schwachen wirtschaftlichen Lage - Unternehmen und Konsumenten vor Investitionen und Käufen ab. Historische Beispiele zeigen, dass Banken wegen Negativzinsen nicht etwa Geld von der EZB in den Kreditkanal umleiteten, sondern die Strafgebühr an Kunden weitergaben.

Noch einen Aspekt sollten die Währungshüter vor der nächsten Sitzung bedenken: Es ist nicht zuletzt die EZB, die den Banken mit Eigenkapitalanforderungen sowie Bilanz- und Stresstest Stress macht. Die Checks sind zwar berechtigt, verschärfen die Situation allerdings, weil ein höheres Kreditvolumen die Kapitalquote schrumpfen lässt. Somit hat sich die EZB - in guter Absicht, aber doch - auch selbst in den Schwanz gebissen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 23.5.2014)

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