Symbiose oder Kapitalismus? Wie Pilze Bäume ausbeuten

22. Mai 2014, 14:44
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IIASA-Forscher berichten von einer weniger kooperativen als vielmehr marktwirtschaftlichen Beziehung der Lebewesen zueinander

Wien - Bäume und Pilze tauschen nicht gemeinschaftlich Nährstoffe aus, sondern handeln damit wie in einer kapitalistischen Marktwirtschaft, berichtet ein österreichisch-schwedisches Forscherteam im Fachblatt "New Phytologist". Wenn die Nährstoffe im Boden rar sind, verknappen die Pilze das Angebot zusätzlich, indem sie große Mengen davon horten und viel höhere "Preise" verlangen.

Dies verringert möglicherweise die Fähigkeit eines Waldes, CO2 zu binden. "Der Mechanismus könnte den positiven Effekt, den die steigenden CO2-Mengen auf das Wachstum der Bäume haben, in den nördlichen Wäldern, wo Stickstoff nur sehr begrenzt zur Verfügung steht, eliminieren oder sogar umkehren", schreiben die Forscher in dem Fachartikel.

Angebot und Nachfrage

Vor allem in Waldgebieten, in denen die Nährstoffe im Boden knapp sind, gehen Bäume und Pilze häufig Beziehungen ein, so die Forscher des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien. Von dieser Partnerschaft können beide profitieren: Die Pilze liefern den Bäumen Stickstoff und andere Nährstoffe aus dem Boden und bekommen dafür etwa energiereiche Kohlenstoffverbindungen.

In einer vorangegangenen Arbeit hatten die Forscher jedoch herausgefunden, dass die Pilze Nährstoffknappheit im Boden ausnutzen und solche Situationen für die Bäume eher verschlimmern, als ihnen dabei das Leben zu erleichtern. Ist nämlich Stickstoff rar, geben sie weniger davon her, als wenn reichlich davon im Boden ist.

Bäume im Teufelskreis

Mit einem Modell simulierten die Forscher nun die Wechselwirkungen zwischen einzelnen Pflanzen und Pilzen. Dabei fanden sie heraus, dass das System durch den Wettbewerb der einzelnen Organismen beim Handel mit Nährstoffen wie Kohlenstoff und Stickstoff eher einer kapitalistischen Marktwirtschaft ähnelt als einer kooperativen, symbiotischen Beziehung.

"Die Konkurrenz unter den Bäumen zwingt diese, Unmengen an Kohlenstoff an die Pilze abzugeben, die große Mengen der Bodennährstoffe unter Beschlag halten", so die Forscher. Obwohl der Handel mit den Pilzen für die einzelnen Bäume immer noch Vorteile bringe, sei der Wald als Ganzes dadurch in einer Nährstoffmangelsituation gefangen. (APA/red, derStandard.at, 22.5.2014)

  • Sind Nährstoffe im Boden knapp, maximieren Pilze ihren Gewinn.
    foto: apa

    Sind Nährstoffe im Boden knapp, maximieren Pilze ihren Gewinn.

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