Snowdens Kampf gegen die NSA begann mit einer Cryptoparty

22. Mai 2014, 11:25
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Whistleblower erklärte Teilnehmern auf Hawaii, wie man sich anonym im Netz bewegt

Mit der Offenlegung unzähliger Dokumente und weltweiter Überwachungsprogramme verschiedener Geheimdienste wurde der Name Edward Snowden im Frühsommer 2013 schlagartig bekannt. Doch seine Arbeit gegen die Maschinerie von NSA und Co. hat schon früher begonnen. Ende 2012 war Edward Snowden Organisator der ersten größeren Cryptoparty auf Hawaii.

Wissensweitergabe

Auf einer Cryptoparty treffen Menschen mit Fachwissen über Anonymisierung und Verschlüsselung auf Nutzer, die sich dieses Wissen aneigenen wollen. In lockerer Atmosphäre gibt es Vorträge und praktische Übungen, in denen neugierige Besucher im Umgang mit den jeweiligen Tools geschult werden.

Truecrypt und Tor

Im Dezember 2012 war es Snowden, der gemeinsam mit Technologie-Expertin Runa Sandvik in Oahu vor rund 20 Teilnehmern durch den Abend führte, während seine damalige Freundin Fotos schoss. Eine halbe Stunde sprach er zuerst darüber, wie man das Open-Source-Tool Truecrypt verwendet, um USB-Sticks oder ganze Festplatten zu verschlüsseln.

Anschließend zeigten Sandvik und Snowden, wie ein Tor-Relay eingerichtet wird. Tor ermöglicht es, sich anonym im Netz zu bewegen, da der Datenverkehr verschlüsselt und über zahlreiche Knotenpunkte ans Ziel geleitet wird, was den Ausgangspunkt nur sehr schwer zu ermittelbar macht.

Besprechung

Sandvik erinnert sich im Gespräch mit Wired daran, dass Snowden die Party außerordentlich gut organisiert hatte. Im Nachhinein beschrieb er den Event als "riesigen Erfolgt" im Cryptoparty-Wiki. "Es nahmen mehr Leute teil, als erwartet und wir hatten eine solide Durchmischung von Altersgruppen und Geschlecht".

Zu Beginn der Party stellte sich Snowden gegenüber Sandvik kurz vor und besprach den Ablauf des Abends. Zuvor waren die beiden Organisatoren nur per E-Mail in Kontakt. Snowden verwendete damals schon die Adresse cincinnatus@lavabit.com. Über jenes Konto war er bereits zwei Wochen zuvor – gut ein halbes Jahr bevor die Enthüllung des NSA-Programms "Prism" um die Welt ging – mit dem Journalisten Glenn Greenwald in Kontakt getreten.

Die US-Behörden konnten in weiterer Folge herausfinden, dass Snowden ein Postfach bei Lavabit besaß, was in letzter Konsequenz die Schließung des E-Mail-Dienstes durch seinen Betreiber nach sich zog.

Erinnerung an "Ed"

Im Zuge des ersten Gesprächs erkundigte sich Sandvik auch danach, wo Snowden, der sich kurz als "Ed" vorgestellt hatte, arbeitete. Nach einigem Zögern erklärte er schließlich, bei Dell tätig zu sein. Dies war allerdings nur die halbe Wahrheit. Dass er für den PC-Hersteller im Auftrag der NSA tätig war, verschwieg er freilich.

"Er ist eine Legende"

Nach der Crypto Party setzte Sandvik ihren Urlaub auf Hawaii fort und dachte nicht weiter über Snowden nach. Erst als die Washington Post und der Guardian mit der Aufarbeitung der Überwachungsaffäre begannen, erinnerte sie sich schlagartig. Heute gibt sie sich stolz, dass der Whistleblower damals dabei war. "Es war ein großes Risiko für ihn, bei einer Cryptoparty zu lehren, während er für die NSA arbeitete. Ich bin froh, dass er es getan hat. Er ist eine Legende". (red, derStandard.at, 22.05.2014)

  • Lange bevor er die globalen Aktivitäten verschiedener Geheimdienste offenlegte, schulte Snowden Teilnehmer einer Cryptoparty darin, sich anonym im Netz zu bewegen.
    foto: apa

    Lange bevor er die globalen Aktivitäten verschiedener Geheimdienste offenlegte, schulte Snowden Teilnehmer einer Cryptoparty darin, sich anonym im Netz zu bewegen.

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