Aufstiegs-Tipps für junge Frauen

23. Mai 2014, 17:00
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Bei der von PwC organisierten Podiumsdiskussion gab es viele Tipps, aber auch bestehende Hindernisse zu besprechen

Wenn es um die Quote geht, sind sich nicht nur Politiker uneinig - auch Frauen in Führungspositionen haben sehr unterschiedliche Ansichten, was Festlegungen angeht. So auch bei der von der Prüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) veranstalteten Posiumsdiskussion „Aspire to Lead“.

Bevor Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid Fragen wie die nach der Quote an die vier Diskutantinnen stellte, wurde zunächst der Raum verdunkelt und Videowände heruntergefahren: Den virtuellen Startschuss des Abends lieferte Facebook-Chefin Sheryl Sandberg, nun mit ihrem Buch Lean In for Graduates auf dem Markt.

Was bedeutet Karriere überhaupt

Ihr einstündiger Vortrag wurde aus dem US-amerikanischen PwC-Hauptquartier in 30 Büros weltweit übertragen. Auch das Wiener Publikum, das zum Großteil aus jungen Frauen bestand, verfolgte zunächst die Tipps der 44-jährigen Top-Managerin. „Wie gelingt der Einstieg in das Wunschunternehmen? Welche Möglichkeiten haben Frauen, um ihre Karriere optimal zu gestalten - was bedeutet Karriere überhaupt? Und: Lassen sich Beruf und Familie vereinen?“ waren Fragen, auf die sich Sandberg dabei bezog.

Wie in ihrem Buch konzentrierte Sandberg sich auch im Vortrag auf die Situation für Absolventinnen - wohl auch, weil sie nicht mehr daran glaubt, dass ihre Generation etwas verändern könne: „Die Zukunft liegt in euren Händen“, sagt Sandberg.

Auf die innere Stimme hören

Dies sollte einer der wenigen Punkte bleiben, in denen das österreichische Podium Sandberg nicht zustimmte. „Denn“, widersprach Föderl-Schmid, „gerade wir Frauen in Führungspositionen haben Möglichkeiten, Dinge zu verbessern.“

Große Zustimmung gab es für die von Sandberg präsentierten Tipps. Für Sonja Hammerschmid, Rektorin an der Uni für Veterinärmedizin in Wien, war die Ermutigung, auf die innere Stimme zu hören, am wertvollsten. Ursprünglich wollte Hammerschmid Chirurgin werden, von ihrer Familie sei aber immer die Reaktion „Als Frau? Bist du wahnsinnig?“ gekommen, weshalb Hammerschmid sich einen Fachbereich mit möglichst großer Ähnlichkeit suchte und so zur Mikrobiologie gelangte. „Ich glaube aber, dort wo die Leidenschaft liegt, dort ist man gut - dort macht man Karriere, und dort findet man einen Job.“

Sieglinde Gahleitner, Richterin am Verfassungsgerichtshof und Leiterin der eigenen Anwaltskanzlei, stimmte Sandberg vor allem in dem Punkt zu, dass Frauen oft schlecht verhandeln würden. Solange Frauen sich ihrer Werte nicht bewusst seien, würden sie sich nie zurücklehnen können und sagen: „Für diesen Job hätte ich gerne dieses Gehalt. Akzeptieren Sie es oder suchen Sie sich jemand anderen.“ Nickende Köpfe nicht nur am Podium, sondern auch im Publikum. „Bleibt die Frage nach dem Warum“, antwortet Föderl-Schmid.

Uneinigkeit über Quote

Für Christine Catasta, Partnerin und Diversity-Leader bei PwC, liegt die Antwort nicht in einer Quote: Frauen würden viel mehr darüber nachdenken, welche Verantwortungen hinter einem Topjob steckten, während bei Männern oft nur die Machtposition im Vordergrund stehe. Eine Quote bewirke zwar, dass mehr Frauen gewählt werden - „aber dass diese sich stärker überlegen, sich überhaupt erst zu bewerben, darf nicht vergessen werden.“

Föderl-Schmid führt Norwegen als positives Beispiel an, wo bereits 2003 eine Quote - inklusive Sanktionen bei Nichteinhaltung - beschlossen wurde. Die „Golden Skirts“ - Frauen, die einen Aufsichtsratsjob nach dem anderen sammeln - gälten dort als neue Berufsgruppe. Auch Deutschland hat sich für 2016 zu einer Quote bekannt: 30 Prozent der Stellen in Aufsichtsräten sollen dann Frauen besetzen. Der richtige Weg?

Susanne Erber, Leiterin des Bereichs Finanz- und Rechnungswesen der Mediaprint, ist skeptisch: „Es gibt ja auch keine Kanzlerinnenquote, aber trotzdem eine Kanzlerin. Die wurde gewählt, weil sie die Beste für diesen Job war.“ Gahleitner hingegen würde die Quote „einfach ausprobieren. Ohne hat es ja auch nicht geklappt.“

Immer wieder: Infrastruktur

Einigkeit herrschte hingegen bei der Notwendigkeit einer funktionierenden Kinderbetreuung für die Karriere von Frauen.

Catasta konnte etwa erzählen, dass sie nach ihrer Karenz lange angab, nur Teilzeit statt Vollzeit zu arbeiten, um nicht als Rabenmutter zu gelten. „Machen Sie sich dieses schlechte Gewissen nicht“, wandte sie sich ans Publikum. „Wahrscheinlich ist es heute besser.“

Seit damals habe sich nicht viel geändert, antwortet ihr eine Zuhörerin: „Man wird noch immer schräg angeschaut, wenn man nach einem halben Jahr in den Beruf zurückkehrt.“ In der Pflicht stehen für Hammerschmid hier die Institutionen und Unternehmen, aber es gebe natürlich auch eine politische Verantwortung: „In Norwegen wurde die Quote nicht als Gender-, sondern als Wirtschaftsförderung durchgesetzt. Dort wusste man, dass man auf das Know-how der Frauen nicht verzichten kann.“ (Lara Hagen, DER STANDARD 24./25.5.2014)

  • Standard-Chefredakteurin und Moderatorin des Abends, Alexandra Föderl-Schmid (li.), sprach auch über eigene Erfahrungen: Sieglinde Gahleitner, Sonja Hammerschmid, Susanne Erber und Christine Catasta (v. li.).
    foto: andy urban

    Standard-Chefredakteurin und Moderatorin des Abends, Alexandra Föderl-Schmid (li.), sprach auch über eigene Erfahrungen: Sieglinde Gahleitner, Sonja Hammerschmid, Susanne Erber und Christine Catasta (v. li.).

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