Ranking: Absturz Österreichs gestoppt

22. Mai 2014, 07:24
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Trotz leichter Verbesserung gab es seit 1997 nur zwei Jahre, in denen Österreich schlechter abschnitt, am attraktivsten für die Wirtschaft bleiben die USA

Wien - Die Regierung kann zur Abwechslung mal aufatmen. Beim alljährlich vom Schweizer Managementinstitut IMD durchgeführten Wettbewerbsranking gibt es erstmals seit Jahren keine Verschlechterung.

Konkret rückt Österreich von Platz 23 auf 22 vor. Insgesamt wurden 60 Staaten bewertet. Ganz vorn gibt es wenig Veränderungen. Die USA bleiben Spitzenreiter vor der Schweiz; Singapur überholt Hongkong, und Schweden und ist neuer Dritter.

Dahinter kommt dann schon Deutschland, das seine Aufholjagd fortsetzt. Die größte Volkswirtschaft Europas hat in den vergangenen fünf Jahren zehn Plätze gutgemacht und liegt nun bereits auf Rang sechs. Das Nachbarland profitiert vor allem vom guten Image im Ausland. In dieser Subauswertung, die heuer erstmals durchgeführt wurde, schneidet nur Singapur besser ab.

Österreich konnte zwar den Abwärtstrend stoppen, Platz 22 bedeutet aber noch immer den drittschlechtesten Wert seit 1997. Das neuerlich schwache Abschneiden ist somit Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Wie berichtet, wurde die Standortpolitik der rot-schwarzen Koalition zuletzt wieder verstärkt unter Beschuss genommen.

Voestalpine-Chef Wolfgang Eder hatte sogar die Verlagerung von Produktionsstandorten ins Ausland in den Raum gestellt. Auch die Erste Bank und die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich denken bereits laut über die Vorteile von ausländischen Konzernzentralen nach.

Nicht nur "harte Daten"

Österreich hat sein bisher bestes Wettbewerbsranking im Jahr 2007 erzielt. Damals gab es Rang elf. In die IMD-Bewertung fließen insgesamt 338 Kriterien ein, die in 20 Kategorien zusammengefasst werden (siehe Grafik). Das Ranking ist allerdings nicht ganz unumstritten, weil das Ergebnis nur zu zwei Dritteln auf "harten Daten", also Statistiken, beruht. Zu einem Drittel basiert es auf Umfragen unter mittleren und höheren Managern, also auf deren subjektiven Einschätzungen.

Die größten Problemfelder Österreichs, die das IMD ausmacht, unterscheiden sich freilich wenig von anderen Studien oder Experteneinschätzungen. Das noch immer niedrige Pensionsalter wird ebenso genannt wie eine Verwaltungsreform und die Budgetsanierung auch auf Ebene der Länder und Gemeinden. Ein Problem, das viele Länder in Europa haben: die im Vergleich zu den USA hohen Energiekosten.

Sieht man sich die Details des Rankings an, zeigt sich folgendes Bild: Die schlechteste Platzierung gibt es für Österreich wie schon in den vergangenen Jahren für die hohe Steuerlast. Nur zwei Länder schneiden hier schlechter ab.

Hinter der Kategorie "Einstellungen/Werte", wo es auch nur Platz 38 gibt, verstecken sich Kriterien wie "Einstellung zur Globalisierung" oder "Image im Ausland". Am besten schneidet Österreich in den Kategorien "Gesundheit/Umwelt", "internationaler Handel" und "Produktivität" ab.

Die Managerantworten im Umfrageteil widersprechen zum Teil den gängigen Klagen über das heimische Bildungssystem. Auf die Frage, was sie an Österreich besonders schätzen, antworteten 81,5 Prozent mit "gut ausgebildete Arbeitskräfte". Noch häufiger wurde nur die "zuverlässige Infrastruktur" genannt. (Günther Oswald, DER STANDARD, 22.5.2014)


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