Exzellenz ja, Perspektive na ja

21. Mai 2014, 22:32
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Kapfenberg, knapp vor dem Meistertitel, knüpft an vergangene Zeiten an. Nicht nur ein Segen für Basketball-Österreich

Die Kapfenberg Bulls erinnern im österreichischen Basketball derzeit an gute alte, ja bessere Zeiten. In der Final-Serie der Admiral Basketball-Bundesliga (ABL) führen die Steirer nach einem 85:82-Heimsieg gegen die Güssing Knights mit 2:0 und stehen ganz knapp vor ihrem fünften Meistertitel.

Eingeläutet wurden die Nullerjahre im österreichischen Basketball mit einer Totaldominanz aus der Mur-Mürz-Furche. So ehrgeizig wie das Böhlerstahl-, war auch das Basketballprogramm. Das Ergebnis: Vier Meistertitel am Stück (2001-2004) inklusive starker Nationalteamspieler und noch stärkerer Legionäre.

Nun wird also mit einer ausgebufften Profitruppe an alte Erfolge angeknüpft, Finalgegner Güssing hat einen deutlich höheren Studentenanteil, aber damit auch mehr Eigenbauspieler in seinem Team. Bemerkenswert wie sich die Burgenländer heuer erstmals bis zum Saisonhöhepunkt vorgearbeitet haben. Im Fußball wäre das ungefähr so, wie wenn Grödig bis zum letzten Spieltag noch Chancen auf den Meisterteller hätte.

Ligalage

Entschieden wurde Spiel zwei jedenfalls durch einen sehr abgebrühten Kapfenberg-Legionär namens Mark Sanchez, der drei Sekunden vor Schluss per Dreier zum Endstand traf. Es war die Sorte von Partie, die auch, oder gerade wegen vieler Ballverluste auf beiden Seiten von Dramatik geprägt war.

Eine Horde von möglichen Auswahlspielern für Österreich sucht man im Finale vergeblich, immerhin tummeln sich zwei bei Güssing (Thomas Klepeisz und Sebastian Koch), Armin Woschank ist bei Kapfenberg superb, mit bald 32 Jahren aber kein Zukunftsprojekt mehr.

Nationalteamspieler gesucht 

Gesät mit herausragenden Talenten ist die Liga momentan eher nicht, Ausnahmen gibt es wie überall. Große Hoffnungen ruhen auf Jakob Pöltl. Der 18-Jährige 2,13-Meter-Mann legte mit 12,7 Punkten, 7,7 Rebounds und 2,3 Blocks im Schnitt eine sensationelle erste Saison für Traiskirchen in der ABL hin und wird ab kommender Saison für die University of Utah, ein Top-College in der amerikanischen NCAA-Liga spielen.

Dann wären da noch die rot-weiß-roten Legionäre. Rasid Mahalbasic, der bereits NBA-Luft schnupperte, kämpft gerade in Tschechien mit seinem Verein Nymburk um den Titel. Benjamin Ortner, langjährige Italien-Legionär befindet sich dieser Tage im Viertelfinale mit Montepaschi Siena. Der Tiroler hat auch heuer wieder in der Euro League (Basketball-Champions League) mitgewirkt. Anton Maresch und Thomas Schreiner haben in Spanien mit ihren Vereinen (Ford Burgos und River Andorra) jeweils den Aufstieg in die erste Liga geschafft. Das große Fragezeichen bleibt, ob die Klubs die wirtschaftlichen Bedingungen für den Aufstieg erfüllen können. Ein paar junge Österreicher versuchen sich noch auf kleineren US-Universitäten.

In der ABL wird Österreichs Basketball-Teamchef Werner Sallomon jedenfalls auch heuer keine Riesenauswahl vorfinden, um eine schlagkräftige Mannschaft für eine so ersehnte erfolgreiche Qualifikation für die EM 2015 zu formen. (Florian Vetter, derStandard.at, 21.5.2014)

"Best of five"-Finalserie der ABL, Spiel zwei, Mittwoch

ECE Bulls Kapfenberg - Magnofit Güssing Knights 85:82 (41:39)
Beste Werfer: Ray 18, Kohlmaier 17, Woschank 16 bzw. Taylor 22, Heard 17

Stand in der Serie: 2:0, nächstes Spiel am Sonntag (19.30 Uhr, live Sky Sport Austria) in Güssing

  • Hat bereits alles gewonnen, aber noch immer nicht genug: Kapfenberg-Guard Armin Woschank mit 16 Punkten und fünf getroffenen Dreiern in Spiel zwei.
    foto: apa/scheriau

    Hat bereits alles gewonnen, aber noch immer nicht genug: Kapfenberg-Guard Armin Woschank mit 16 Punkten und fünf getroffenen Dreiern in Spiel zwei.

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