Lifetab S7852: Hofer-Tablet im iPad-Mini-Format im Test

Test21. Mai 2014, 17:43
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Marathonakku mit acht Stunden Laufzeit - Solider Mittelklässler mit Einbußen bei Display, Kameras und GPS

Der Diskont-Supermarkt Hofer lockt seine Kunden einmal mehr mit einem Tablet-Angebot. In die Regale gelangt ab Donnerstag das Lifetab S7852 von Medion.

Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich ein Androide im iPad-Mini-Format von knapp acht Zoll, das mit einem Verkaufspreis von 150 Euro die Geldbörse nicht zu sehr belasten soll. Der WebStandard hat getestet, wie sich das Gerät im Alltag schlägt.

Hardware

Das Lifetab bietet ein IPS-Display mit einer Auflösung von 1.024 x 768 bei einer Diagonale von 7,82 Zoll, was der ersten Generation des iPad Mini entspricht. Darunter werkt eine 1,6-GHz-Quadcore-CPU (Cortex A9) auf einem Rockchip RK3188-Chip. Ein GB RAM stehen zur Verfügung. Der Onboardspeicher ist mit 16 GB dimensioniert, kann aber per microSD-Karte um bis zu 64 GB aufgestockt werden.

Vanilla-Kitkat

Als Betriebssystem kommt Android in der derzeit aktuellsten Fassung 4.4.2 "Kitkat" zum Einsatz. Updates auf künftige Versionen will Medion liefern, sofern der Chiphersteller dies ermöglicht. Über die USB-Host-Funktion lässt sich mit einem entsprechenden Kabel Peripherie an das Tablet anschließen.

Auf Anpassungen der Oberfläche wird verzichtet. Allerdings ist eine Reihe von Apps vorinstalliert.

Konnektivität

Ins Internet kommt das Tablet ausschließlich per WLAN, einen SIM-Slot gibt es nicht. Ein GPS-Modul ist allerdings an Bord. Das Tablet kann sich auch per Bluetooth 4.0 mit anderen Geräten verbinden. Ebenfalls an Bord – und derzeit nur bei wenigen Tablets und Smartphones zu finden – ist eine Infrarot-Schnittstelle.

Mittelklasse

Rein hardwareseitig ist das Tablet als solider Mittelklässler einzustufen, was von den Benchmarks auch bestätigt wird. Der Allround-Test Antutu bescheinigt dem S7852 rund 19.600 Zähler, womit es sich hier am Niveau des Samsung Galaxy Note 2-Phablet bewegt.

Beim HTML5-Benchmark Vellamo erreicht es 1.500 Punkte und somit den Wert des ersten Nexus 7 (2012). Durchwegs flüssige 3D-Darstellung mit im Schnitt 51 Bildern pro Sekunde schafft die CPU im Verbund mit der Mali-400MP-GPU.

Grundsätzlich passt auch die Performance bei der praktischen Verwendung. Zwar starten Apps ab und an etwa behäbig, abgesehen von sehr aufwändigen 3D-Games läuft aber praktisch jede App flüssig. Beim Navigieren durch das System fallen ab und an kleinere Ruckler und Verzögerungen auf, es gibt also etwas Potenzial zur nachträglichen Softwareoptimierung.

Gute Verarbeitung

Während Prozessor und Grafikeinheit aber insgesamt eine gute Basis bilden, liefert die restliche Hardware ein zwiespältiges Bild. Nichts zu meckern gibt es etwa an der Verarbeitung des Tablets. Durch die Alu-Rückseite und gering gehaltene Spaltmaße macht das S7852 für ein Budget-Gerät eine ausgesprochen wertige Figur.

Mit 20 x 13,7 x 0,9 Zentimeter ist das Tab mit einer Hand im Hochformat noch relativ sicher, wenn auch mäßig bequem zu halten und weist dabei mit 370 Gramm ein vertretbares Gewicht auf. An einhändige Bedienung ist freilich nicht zu denken.

Mäßiges Display

Die verglaste Vorderseite erweist sich als recht anfällig für Fingerabdrücke und neigt zu starken Spiegelungen. Da die maximale Helligkeit, wie bei vielen günstigeren Tablets üblich, eher niedrig ist, macht eine Verwendung im Sonnenlicht nur wenig Spaß.

Die Pixeldichte ist mit 164 PPI nicht besonders hoch, was sich bei Texten in kleinerer Schrift spürbar auf die Lesbarkeit auswirkt. Allerdings sind derlei Mankos in dieser Preisklasse keine Seltenheit. Definitiv als Patzer einzustufen ist jedoch der Verzicht auf einen Helligkeitssensor – hier muss der Nutzer stets manuell nachjustieren.

Guter WLAN-Empfang

Lobenswert ist hingegen die WLAN-Empfangsstärke. Hier behauptet sich das Lifetab im Vergleich sogar gegen das aktuelle Nexus 7. Unterstützt wird der 802.11n-Standard, allerdings erkennt der Wifi-Chip keine 5-GHz-Netze. Das Bluetoothmodul arbeitet fehlerfrei mit entsprechenden drahtlosen Lautsprechern zusammen.

Schwaches GPS-Modul

Da das S7852 ein GPS-Modul an Bord hat, lässt es sich theoretisch als Navigationsgerät nutzen, wobei entweder Offline-Karten verwendet oder eine Internetverbindung via Tethering bereit gestellt werden muss. In der Praxis allerdings versagte die Satellitenortung ihren Dienst und der Standort war nur über umliegende Funksignale bestimmen, was außerhalb städtischer Gebiete zu einem Problem wird.

Offenbar liegt bei dem Gerät ein Empfangsproblem vor, das Testmuster konnte nie mehr als vier Satelliten "sehen" und auch auf freien Flächen seine Position nicht ermitteln. Gemäß früheren Testberichten – das Tablet war beim deutschen Hofer-Pendant Aldi bereits zu haben – benötigt das Tablet für die erste Standortbestimmung offenbar mehrere Minuten und scheint den sogenannten "Fix" sehr gerne wieder zu verlieren. Vom Einsatz als "Navi" ist daher abzuraten.

Magere Kamerakost

Magere Kost bieten auch die beiden Kameras – auch das ist bei Tablets in diesem Preisbereich nicht all zu verwunderlich. Egal, ob man Bilder mit dem rückseitigen oder dem frontseitigen Modul aufnimmt – in beiden Fällen stehen recht detailarme Ergebnisse zu Buche. Auch auf Gegenlicht reagieren die Kameras sehr empfindlich.

Auf fortgeschrittene Effekte wie HDR muss zudem verzichtet werden, die rückseitige Kamere fällt außerdem recht matter Farbreproduktion negativ auf. Für einfache Schnappschüsse reicht die gebotene Bildqualität gerade noch aus.

Passable Akustik

Der Mono-Lautsprecher des Lifetab S7852 bietet, so man die Lautstärke nicht voll aufdreht, für ein Tablet passable Akustik. Medion legt dem Gerät durchaus brauchbare In-Ear-Kopfhörer mit Silikonstöpseln in drei Größen und vergoldetem Klinkenanschluss bei. Über diese liefert das Tablet ein angenehmes Klangbild.

Langlebiger Akku

Eine sehr positive Erwähnung verdient der 4.800-mAh-Akku. Die vom Hersteller versprochenen acht bis zehn Stunden Laufzeit bei normaler Verwendung dürften nicht zu hoch gegriffen sein. Ein ausführlicher Test war zwar nicht möglich, nach zwei Stunden intensiver Nutzung (das Spiel "Ingress" mit GPS-Modul und WLAN im Dauerbetrieb), zeigte das Tablet jedoch einen Akkustand von über 70 Prozent. Andere Rezensionen bestätigen den guten Eindruck.

Derartige Ausdauer, wenngleich sie zu einem guten Teil dem niedrig aufgelösten und eher dunklen Display geschuldet ist, ist in dieser Preisklasse eher eine Seltenheit.

Zusatz-Apps

Von den vorinstallierten Apps, die sich - inklusive den Hofer-eigenen Programmen - bei Bedarf einfach deinstallieren lassen, stechen vor allem die Fernbedienung und die Softmaker-Office-Suite heraus.

Ersteres Tool ermöglicht die Bedienung diverser Digitalradios und Fernseher von Medion per Infrarot. Zweiteres ist eigentlich eine Premium-App und bietet mehrere Einzelprogramme für einfache Arbeit an Texten, Tabellen und Präsentationen. Als zweites Premium-Werkzeug findet sich das "Zeichenpad" im Sortiment, das vorrangig für Kinder einfache Zeichenfunktionen mit verschiedenen digitalen Kunstmitteln bietet. Über einen Digitizer verfügt das Tablet nicht.

Fazit

Wer keine hohen Ansprüche stellt und ein solides Multimediatablet für daheim und Offline-Unterhaltung unterwegs sucht, dem legt Hofer mit dem Medion Lifetab S7852 ein interessantes Angebot. Performancetechnisch gibt sich das Gerät kaum Blöße, die anderen Mankos sind hauptsächlich der Preisklasse geschuldet.

Lediglich das schwächelnde GPS-Modul und der fehlende Helligkeitssensor sind verzichtbare Versäumnisse. Dafür gebührt dem langlebigen Akku wiederum ein Extralob.

Alternativen in ähnlichem Preisbereich sind hierzulande eher rar. Zu nennen wären etwa das Asus Memopad HD 7, das Nexus 7 und das Tolino Tab 7, die jedoch beide etwas kleiner sind, oder das Acer A1-811, das bei ähnlichen Spezifikationen auch einen SIM-Slot für 3G-Internet bietet. Die genannten Geräte liegen, vom Memopad abgesehen, preislich allerdings über dem Lifepad. (Georg Pichler, derStandard.at, 21.5.2014)

  • Das Lifetab S7852 buhlt als günstiger Achtzöller um die Gunst der Käufer.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Lifetab S7852 buhlt als günstiger Achtzöller um die Gunst der Käufer.

  • Die Rückseite ist aus Aluminium und verleiht dem Gerät einen wertigen Eindruck.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Die Rückseite ist aus Aluminium und verleiht dem Gerät einen wertigen Eindruck.

  • Verarbeitungstechnisch gibt es nichts auszusetzen.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Verarbeitungstechnisch gibt es nichts auszusetzen.

  • Mit einem Infrarotausgang bringt das S7852 ein eher seltenes Feature mit. Die vorinstallierte Fernbedienungsapp versteht sich aber nur mit Lenovo- und Medion-Endgeräten.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Mit einem Infrarotausgang bringt das S7852 ein eher seltenes Feature mit. Die vorinstallierte Fernbedienungsapp versteht sich aber nur mit Lenovo- und Medion-Endgeräten.

  • Das Display bietet eine recht niedrige Auflösung, auch die maximale Helligkeit lässt zu wünschen übrig.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Das Display bietet eine recht niedrige Auflösung, auch die maximale Helligkeit lässt zu wünschen übrig.

  • Kamera-Testffoto: Die Bildqualität bei guten Lichtbedingungen reicht bestenfalls für Schnappschüsse.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Kamera-Testffoto: Die Bildqualität bei guten Lichtbedingungen reicht bestenfalls für Schnappschüsse.

  • Sehr empfindlich reagieren beide Kameras auf Gegenlicht.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Sehr empfindlich reagieren beide Kameras auf Gegenlicht.

  • Detailarm fallen auch die Ergebnisse der Frontkamera aus.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Detailarm fallen auch die Ergebnisse der Frontkamera aus.

  • Zur Softwareausstattung gehört die Premium-App "Zeichenpad", die sich mit einfachen Malfunktionen vor allem an Kinder richtet.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Zur Softwareausstattung gehört die Premium-App "Zeichenpad", die sich mit einfachen Malfunktionen vor allem an Kinder richtet.

  • Prinzipiell brauchbar dürfte die Fernbedienungs-App sein - sofern man über entsprechende Geräte von Medion oder Lenovo verfügt.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Prinzipiell brauchbar dürfte die Fernbedienungs-App sein - sofern man über entsprechende Geräte von Medion oder Lenovo verfügt.

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