Russland und China mit 400-Milliarden-Gasdeal

21. Mai 2014, 17:43
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Gaslieferungen, dazu der Bau einer Pipeline mit hohen Kosten: China verhalf Russland mit dem Energiedeal inmitten der Ukraine-Krise zu einem Erfolg

China und Russland haben sich am Rande der asiatischen CICA-Sicherheitskonferenz in Schanghai doch noch auf einen zwischen ihnen zehn Jahre lang verhandelten gigantischen Gasliefervertrag geeinigt. Nach der in buchstäblich letzter Minute getroffenen Vereinbarung zwischen dem russischen Energiekonzern Gasprom und Chinas Öl-und Gaskonzern CNPC wird Russland das Nachbarland von 2018 an mit jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Gas über einen Zeitraum von 30 Jahren versorgen.

Gasprom-Chef Alexej Miller gab den Wert des Deals mit 400 Milliarden US-Dollar über die ganze Laufzeit an, nannte aber keine Details. Da sich der Wert des Gesamtdeals aber nicht verändert hat, dürften beide Parteien einander stark entgegengekommen sein. Gasprom hatte mit einem Grundpreis von rund 400 US-Dollar pro Kubikmeter gerechnet, China soll 350 bis 360 Dollar pro Kubikmeter geboten haben. Chinas Angebot wäre somit rund 75 Milliarden Dollar unter dem 400-Milliarden-Dollar-Paket gelegen. Unklar ist, in welchem Ausmaß staatliche Vergünstigungen Chinas etwa über Steuererleichterungen den letztendlich gezahlten Preis indirekt mitsubventionieren.

China unter Handlungszwang

Damit scheint sich die russische Seite zumindest beim Verkauf des Gases mit ihren Marktpreisvorstellungen durchgesetzt zu haben. Es ist ein Deal, mit dem Peking auch dem wegen der Ukraine-Krise unter Druck und Sanktionen des Westens stehenden Präsidenten Wladimir Putin offenbar den Rücken stärkt. China stand aber aufgrund des eigenen Energiebedarfs auch unter Handlungszwang. Es verbrauchte 2013 allein 167 Milliarden Kubikmeter Gas, von denen es mit 53 Milliarden Kubikmetern Gas rund ein Drittel einführen musste, 25 Prozent mehr als 2012.

Die Vereinbarung zum Gasdeal besteht aus zwei Teilen. Sie wurde im Beisein der beiden Staatspräsidenten Xi Jinping und Wladimir Putin von den Energieministern beider Länder am Mittwoch nach langer Feilscherei buchstäblich in letzter Minute unterzeichnet. Teil eins des Abkommens betrifft ein Memorandum zum Bau der "Ostpipeline" für die Gaslieferung, das beide Regierungen miteinander schlossen. Bedingungen des Baus und die Höhe der anteiligen Investitionen jeder Seite wurden nicht enthüllt, allerdings soll China 20 Milliarden Dollar und Russland 55 Milliarden Dollar zu dem Projekt beisteuern. Die weit mehr als 1.000 Kilometer lange Gaspipeline soll von Ende 2014 an gebaut werden.

Verbrannter Bart

Teil zwei des Abkommens betrifft die beiden Konzerne Gasprom und CNPC, die ihre Festpreise für die Lieferung und Abnahme des Gases festlegten. Um den Deal abschließen zu können, sollen beide Regierungen bekundet haben, für das Projekt "Vorzugssteuern" zu gewähren. China soll die russischen Kosten des Projekts durch Vorauszahlungen unterstützen. Der Gasdeal krönte zumindest aus der Sicht Chinas und Russlands die zweitägige regionale "Sicherheitskonferenz über Interaktion und vertrauensbildende Maßnahmen in Asien" (CICA). Xi Jinping war Gastgeber der Veranstaltung, an der 46 zentral- und südostasiatische Länder, darunter elf Staatschefs, und auch Vertreter internationaler Organisationen teilnahmen.

Mit einer Grundsatzerklärung hatte Xi die CICA-Aussprache eröffnet über gemeinsame Abwehrmaßnahmen gegen Terrorismus und die Architektur einer eigenen innerasiatischen Sicherheitsstrategie jenseits der Einflussnahme aus den USA, dem Westen und Japan. Er machte kein Hehl daraus, dass China in Asien alles "innerhalb der Familie" halten wolle: "Sicherheitsprobleme in Asien sollten von den Asiaten selbst gelöst werden." Andere Länder warnte er durch die Blume vor Einmischung: "Wer die Öllampe eines anderen ausbläst, verbrennt sich leicht seinen eigenen Bart." (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 22.5.2014)

  • Russlands Präsident Wladimir Putin und Gasprom-Chef Alexej Miller (rechts) haben gut lachen, wollen sie doch China mit Gaslieferungen im Volumen von 400 Milliarden Dollar einheizen.
    foto: reuters

    Russlands Präsident Wladimir Putin und Gasprom-Chef Alexej Miller (rechts) haben gut lachen, wollen sie doch China mit Gaslieferungen im Volumen von 400 Milliarden Dollar einheizen.

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