Drei Justizanstalten für den Maßnahmenvollzug

21. Mai 2014, 17:23
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Grundsätzlich soll der Maßnahmenvollzug eine mit Freiheitsentzug verbundene vorbeugende Maßnahme sein

Wien - In Österreich gibt es laut Justizministerium 27 Justizanstalten mit etwa 8000 Insassen. Davon sind sieben Strafvollzugsanstalten für Männer: Stein, Graz-Karlau, Garsten, Suben, Sonnberg, Hirtenberg, Wien-Simmering. Die Haftanstalt in Gerasdorf ist für Jugendliche reserviert, die in Schwarzau für Frauen. Dazu kommen 15 gerichtliche Gefangenenhäuser in Eisenstadt, Wien-Josefstadt, Wr. Neustadt, St. Pölten, Krems, Korneuburg, Graz-Jakomini, Leoben, Klagenfurt, Linz (Außenstelle Asten), Wels, Ried, Salzburg, Innsbruck, Feldkirch.

Drei Anstalten sind ausschließlich für den sogenannten Maßnahmenvollzug vorgesehen: Göllersdorf, Wien-Mittersteig und Wien-Favoriten. Grundsätzlich soll der Maßnahmenvollzug eine mit Freiheitsentzug verbundene, vorbeugende Maßnahme sein. Es gibt drei Unterscheidungen:

  • Geistig abnorme Rechtsbrecher
    Strafttäter, die aufgrund einer geistigen Beeinträchtigung nicht schuldfähig, aber dennoch gefährlich sind, werden zu keiner Gefängnisstrafe verurteilt, sondern zu einer zeitlich ungebundenen psychiatrischen Behandlung. Entlassung ist nur bei deutlicher Besserung der psychischen Zurechnungsfähigkeit möglich. Es gibt aber auch als zurechnungsfähig eingestufte, geistig abnorme Rechtsbrecher, sie werden hauptsächlich in Maßnahmenabteilungen von "normalen" Gefängnissen inhaftiert.

  • Gefährliche Rückfallstäter
    Gefährliche Gewaltstraftäter müssen nach ihrer Gefängnisstrafe in den Maßnahmenvollzug, wenn laut fachlicher Prognose die Gefahr eines Rückfalls zu groß ist. Die Dauer ist mit höchstens zehn Jahren begrenzt, bei Antritt müssen die Betroffenen mindestens 24 Jahre alt sein.

  • Entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher Meist handelt es sich um verurteilte Straftäter, die von illegalen Suchtmitteln abhängig sind. Die Therapie darf maximal zwei Jahre dauern, wird aber häufig schon vorher abgebrochen, die Häftlinge landen wieder im normalen Vollzug. (simo, DER STANDARD, 22.5.2014)
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