Kriegsverbrechen im Kosovo: Verdächtige flüchten aus Spital

21. Mai 2014, 16:58
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Sami Lushtaku hätte am Donnerstag vor Gericht erscheinen sollen

Pristina (Prishtina) - Drei mutmaßliche Kriegsverbrecher sind am Dienstagnachmittag aus dem wichtigsten kosovarischen Krankenhaus in Prishtina geflüchtet, wo sie sich unter Polizeikontrolle zur Behandlung befanden. Die Flucht wurde am Mittwoch vom amtierenden Haftanstalt-Leiter Shemsi Hajrizi bestätigt. Die Polizei fahndet nach den Flüchtigen. Weitere Details wurden nicht mitgeteilt.

Die geflüchteten Angeklagten, darunter Sami Lushtaku, Bürgermeister der zentral-kosovarischen Kleinstadt Skenderaj, sollten am Donnerstag vor dem Gericht in Nord-Mitrovica erscheinen, wo ein Prozess gegen 15 Personen beginnen soll. Die sogenannte Drenica-Gruppe, die nach der gleichnamigen zentralkosovarischen Region benannt wurde, steht seit dem vergangenen November vor Gericht. Sie wird angeklagt im Sommer 1998 im Gefangenenlager Likovc der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK), die für die Abspaltung von Serbien kämpfte, Zivilisten gefoltert und ermordet zu haben. Unter den Angeklagten befindet sich auch Sylejman Selimi, der Botschafter des Kosovo in Albanien.

Medienberichten zufolge hatte vor der Flucht der zuständige EULEX-Richter entschieden, die sich im Gefängnis im west-kosovarischen Dubrava befindenden Angeklagten in jenes mehrheitlich von Serben bewohntes Gefängnis in Nord-Mitrovica zu verlegen. Lushtaku bemüht sich nach Angaben seines Anwalts um die Abhaltung des Prozesses in der Hauptstadt Prishtina. Auch hätte er sich geweigert, ins Gefängnis von Nord-Mitrovica verlegt zu werden. Die geflüchteten Angeklagte waren am Dienstag alle drei in der kardiologischen Abteilung des Klinikzentrums von Prishtina behandelt worden. (APA, 21.5.2014)

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