Weißer Senf kann Chemiewaffen-Einsatz nachweisen

25. Mai 2014, 18:37
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Senfpflanze speichert giftige Substanzen über Wochen

Paris - Sowohl beim Nachweis eines Einsatzes von Chemiewaffen als auch bei der Reinigung verseuchter Böden kann eine Senfpflanze eine wichtige Rolle spielen: Der in Europa heimische Weiße Senf (Sinapis alba), dessen Samenkörner zu Speisesenf verarbeitet werden,  kann bestimmte Nervengifte wie das Gas VX (O-Ethyl-S-2-diisopropylaminoethylmethylphosphonothiolat) ) über den Boden aufnehmen und über Wochen speichern, wie britische Forscher in einer im Magazin "Proceedings of the Royal Society A" veröffentlichten Studie berichteten.

Die Wissenschafter hatten Senfkörner einer Lösung mit 250 Mikrogramm des Gases VX ausgesetzt, das mit dem Nervengas Sarin verwandt ist, sowie zweier chemischer Abbaustoffe des Gases. Die Pflanzen wurden danach in verschiedenen Stadien ihres Wachstums untersucht. Spuren von VX und seiner Abbaustoffe wurden demnach in den Proben noch mindestens 45 Tage nach der Verseuchung entdeckt - "länger als im Boden", wie die Forscher hervorhoben. Durch Bodenuntersuchungen wird derzeit versucht, einen Einsatz von Chemiewaffen nachzuweisen.

Die von den Wissenschaftern angewandte Technik erlaubte es, noch kleinste Spuren des Gases nachzuweisen. "Wir haben gezeigt, dass Sinapis alba die Beweise für einen Einsatz von Nervengas konservieren kann, so dass diese danach gefunden werden können", schreiben die Wissenschafter. Mit ausreichenden wissenschaftlichen Kenntnissen könne auch der Zeitpunkt des Einsatzes bestimmt werden. Sie fügten hinzu, dass die giftigen Überreste von Sarin-Gas, das im Bürgerkrieg in Syrien zum Einsatz kam, durch den Anbau der Senfpflanzen im Boden auch abgebaut werden könnten. (APA, derStandard.at, 25. 5. 2014)

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