Schmelzendes Polareis düngt das Meer mit Eisen

21. Mai 2014, 15:52
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Bisher nicht bekannte Eisenmengen fließen mit dem Schmelzwasser polarerer Eisschilde in die Ozeane, was die Planktonblüte begünstigen könnte

Bristol - Um dem Klimawandel zu begegnen, haben Forscher in der Vergangenheit vorgeschlagen, dem Meerwasser größere Mengen an Eisen zuzusetzen. Das Element wirkt wie ein Dünger und kurbelt das Wachstum von Mikroorganismen an, die wiederum mehr Kohlenstoff aufnehmen und damit CO2 aus dem Kreislauf binden. Eine von britischen Wissenschaftern durchgeführte Studie zeigt nun, dass dieser Mechanismus an den Eisschilden in Grönland und der Antarktis bereits ganz natürlich abläuft.

Die Forscher um Jon Hawkings von den Universitäten in Bristol, Leeds, Edinburgh und dem National Oceanography Centre sammelten während des Sommer 2012 Proben vom Leverett-Gletscher im Südwesten Grönlands. Chemische Tests enthüllten dabei größere Mengen an bioverfügbarem Eisen, das direkt unter dem Gletscher mit dem Schmelzwasser ins Meer fließt. Die Wissenschafter schließen daraus, dass die polaren Ozeane während der warmen Jahreszeit einen zusätzlichen Eiseneintrag verzeichnen, was vermutlich einen signifikanten Einfluss auf die marine Nahrungskette hat.

Obwohl Eisen das vierthäufigste Elemente der Erdkruste ist, ist es für Organismen nicht ohne Weiteres zugänglich. Der Großteil des Eisens, das sich im Wasser finden lässt, liegt in nicht reagierender mineralischer Form vor. Das nun im Schmelzwasser der polaren Gletscher festgestellte Eisen liegt in einer Variante vor, die sich das Plankton dagegen unmittelbar zunutze machen kann.

125 Eiffeltürme pro Jahr

Die Jahr für Jahr ins Meer geschwemmten Mengen sind nicht zu unterschätzen, schreiben die Wissenschafter im Fachblatt "Nature Communications": Basierend auf den Analyseergebnissen könnte der Eisen-Eintrag durch Gletscher-Schmelzwasser jährlich in Grönland zwischen 400.000 und 2.5 Millionen Tonnen betragen. In der Antarktis dürften es 60.000 bis 100.000 Tonnen sein. Zusammen ergäbe das die Masse von 125 Eiffeltürmen.

"Damit könnte die Menge an Eisen, die durch Gletscher-Schmelzwasser ins Meer gelangt, etwa jener entsprechen, die durch Staub aus der Atmosphäre in die Ozeane kommt," meint Hawkings. Welche Folgen dies für das Phytoplankton an den Polen hat, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen, doch die Messergebnisse könnten eine mögliche Erklärung für die regelmäßig wiederkehrenden, starken Algenblüten in polaren Gewässern liefern. (tberg, derStandard.at, 20.05.2014)

  • Das alljährlich im Sommer ins Meer fließende Eisen könnte für die regelmäßigen, umfangreichen Algenblüten in den polaren Ozeanen verantwortlich sein.
    foto: apa/epa/jeff schmaltz

    Das alljährlich im Sommer ins Meer fließende Eisen könnte für die regelmäßigen, umfangreichen Algenblüten in den polaren Ozeanen verantwortlich sein.

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