Barbara Coudenhove-Kalergi bekommt Georg Dehio-Buchpreis 

21. Mai 2014, 13:56
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Wird für ihre differenzierte Berichterstattung aus osteuropäischen Ländern und ihr Werk "Zuhause ist überall" geehrt

Wien - Die Journalistin und Schriftstellerin Barbara Coudenhove-Kalergi erhält den diesjährigen Georg Dehio-Buchpreis des Deutschen Kulturforums östliches Europa. Die 1932 in Prag geborene und 1945 von ebendort vertriebene Grande Dame des österreichischen Journalismus erhält die Auszeichnung für ihr Gesamtwerk. Der Ehrenpreis geht an den Historiker Ray M. Douglas.

Mit der mit 7.000 Euro dotierten Auszeichnung werden Autoren geehrt, die sich in ihren Werken differenziert mit deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa auseinandersetzen. Coudenhove-Kalergi berichtete ab den 70er-Jahren in der Osteuroparedaktion des ORF aus Polen und der Tschechoslowakei, war von 1991 bis 1995 ORF-Korrespondentin in Prag und gab zahlreiche Bücher heraus, darunter über die Benes-Dekrete (2002).

Eisernen Vorhang durchlässiger gemacht

"Ihre inspirierenden Dokumentationen, Kommentare und Fernsehfilme haben den 'Eisernen Vorhang' durchlässiger gemacht", schreibt die sechsköpfige Jury in ihrer Begründung. Als Auslandskorrespondentin "spürte sie in der Nachwende-Zeit den großen politischen Umbrüchen ebenso nach wie den subtilen gesellschaftlichen Veränderungen auf dem Weg in die Demokratie".

In ihren Anfang 2013 erschienenen, lakonisch mit "Zuhause ist überall" betitelten Erinnerungen (Zsolnay Verlag) schildert Coudenhove-Kalergi ohne Verbitterung ihr Aufwachsen in der deutschsprachigen Bevölkerung Prags. "Sie hat damit das Motto ihres Lebens und Werks formuliert, in dem das Menschlich-Verbindende, die Überwindung sozialer, nationaler und ideologischer Grenzen, im Mittelpunkt stehen", so die Jury, die auch das aktuelle Engagement der 82-Jährigen in der Asylpolitik mit Deutschunterricht für Flüchtlinge hervorhob.

Ehrenpreis an Ray M. Douglas

Den mit 3.000 Euro dotierten Ehrenpreis sprach die Jury dem in Irland geborenen Ray M. Douglas für sein Buch "Ordnungsgemäße Überführung. Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg" zu. Darin schildert Douglas Ursachen und Etappen der Vertreibung. "Douglas' ebenso nüchterne wie glänzend geschriebene Gesamtdarstellung ist mehr als ein historiographisches Meisterwerk", heißt es in der Jurybegründung. "Sie ist ein Plädoyer dafür, aus der Geschichte einen Schluss zu ziehen: Zur Lösung für komplexe Minderheitenprobleme sind 'ethnische Säuberungen', Umsiedlungen und Bevölkerungstransfers inakzeptabel." Die Preisverleihung findet am 16. Oktober in Berlin statt. (APA, 21.5.3014)

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