Gehirnaktivität pädophiler Männer zeigt signifikante Abweichung

25. Mai 2014, 12:00
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Kieler Forscher führten Untersuchung mittels Magnetresonanztomografie durch

Kiel - Dass pädophile Männer auf Kindergesichter anders reagieren als ihre Geschlechtsgenossen, lässt sich auch an der Hirnaktivität feststellen. So lautet das Ergebnis einer Studie des Kieler Sexualforschers Jorge Ponseti, die im Magazin "Biology Letters" veröffentlicht wurde.

"Wir haben die Hirnaktivität von pädophilen Männern und gesunden Vergleichspersonen betrachtet, während diese sich Bilder von Gesichtern unterschiedlich alter Menschen angesehen haben", sagte Ponseti vom Institut für Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Kieler Universitätsklinikum. Die Forscher nutzten dafür die funktionelle Magnetresonanztomografie.

Die Ergebnisse

Pädophile zeigten in den Untersuchungen mehr Aktivität in gesichtsverarbeitenden Hirnarealen, wenn sie Kindergesichter anschauten. Gehirnregionen wie der ventro-laterale präfrontale Cortex, das Putamen oder der Nucleus caudatus zeigten in ihrer Aktivität vergleichbare Muster wie bei bei Erwachsenen ohne pädophile Neigungen, wenn sie Gesichter von Menschen sehen, die zu ihrer sexuell bevorzugten Gruppe gehören. Also eine ganz andere Aktivität, als diese gesunden Erwachsenen beim Betrachten von Kindergesichtern zeigen.

"Wenn ich als heterosexueller Mann das Bild einer Frau sehe, dann wird mein gesichtsverarbeitendes Areal stärker aktiv, als wenn ich das Gesicht eines Mannes sehe", sagt Ponseti. "Offenbar haben menschliche Gehirne einen Mechanismus, mit dem sie das Alter einer Person am Gesicht einschätzen können und dementsprechend unterschiedliche Verhaltensprogramme aktivieren."

Schwierige Diagnose

Ob mittels der Hirnreaktion auf Kindergesichter eine objektive Diagnose der Pädophilie möglich ist, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen an dem Kieler Institut. Der praktische Nutzen würde Ponseti zufolge allerdings vor allem in der Therapieplanung liegen. Denn nicht jeder, der ein Kind missbrauche, sei pädophil, wie Ponseti betont. Diese Diagnose treffe nur auf etwa die Hälfte der Ersttäter zu.

Die anderen würden Kinder missbrauchen, weil ihnen der Kontakt zu gleichaltrigen Sexualpartnern fehlte, so Ponseti. Und bei diesen Männern sehe die Therapie anders aus. Zu welcher Gruppe ein Täter gehöre, sei oft schwierig festzustellen. "Hier wird oft geschwindelt. Da ist eine objektive Messung hilfreich."

Bereits vor gut zwei Jahren haben Kieler Wissenschafter die Hirnaktivitäten von pädophilen und gesunden Männern gemessen. Damals haben sie Bilder von nackten Erwachsenen und Kindern gezeigt. Die automatisch generierte Zuordnungsgenauigkeit, ob jemand pädophil veranlagt sei oder nicht, sei bei rund 95 Prozent gelegen, sagte Ponseti. Diese Ergebnisse würden derzeit unter schwierigeren Bedingungen weiter getestet. Und auch die jetzt veröffentlichten Daten würden weiter hinsichtlich ihrer Robustheit überprüft. (APA/red, derStandard.at, 25. 5. 2014)

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