Netflix könnte Handy-Tarife weiter in die Höhe treiben

21. Mai 2014, 12:37
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Wachsendes Datenvolumen und hohe Investitionen bei weniger Umsätzen

Ende 2014 startet der Streaming-Dienst Netflix auch in Österreich. Vor allem Serienfans dürfte das freuen, produziert doch das Unternehmen populäre Serien wie "House of Cards". Eine Schattenseite könnte Netflix hierzulande jedoch mit sich bringen. Durch das wachsende Datenvolumen könnten Mobilfunktarife abermals verteuert werden.

Hoher Anteil am Datenvolumen

In den USA macht die Nutzung von Netflix etwa 30 Prozent des Datenvolumens aus, werden heimische Provider nicht müde zu betonen. Hierzulande könnte sich der Streaming-Dienst ähnlich niederschlagen, zumal es nur wenige Film- und Serienangebote gibt, auf die man in Österreich legal zugreifen kann.

Vor allem das mobile Datenvolumen ist am heimischen Markt in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Von 24,9 Millionen GB im Jahr 2010 ist der Verbrauch bis 2013 schon auf 113,61 Millionen angewachsen, zeigen aktuelle Zahlen des Forum Mobilkommunikation (FMK). Da Mobilfunk am österreichischen Breitbandmarkt eine wichtige Rolle spielt, wird Netflix wohl einen guten Teil beitragen, die verbrauchten GB weiter in die Höhe schnellen zu lassen.

Steigende Kosten für Mobilfunker

Die Mobilfunker beklagen schon jetzt die Kosten, die mit wachsendem Datenvolumen und dem dafür benötigten Ausbau der Infrastruktur in Verbindung stehen. Das einstig gute Geschäft mit SMS und Telefonie bricht weg, denn die Österreicher verschicken weniger Kurznachrichten als früher. Präziser gesagt: sie benutzen dafür Messenger-Dienste wie WhatsApp.

So wurden laut FMK im Jahr 2013 nur mehr 6,8 Milliarden SMS verschickt. 2012 waren es noch 8,4 Milliarden. Auch die Gesprächsminuten wachsen nicht weiter. 2013 bewegt sich mit 22,66 Milliarden Minuten auf dem Vorjahresniveau. 2015 fallen auch die Einnahmen aus dem Roaming weg, das in der EU abgeschafft wird. Das sägt an den Umsätzen der Unternehmen.

Frequenzauktion

Hinzu kommen hohen Kosten für die Frequenzauktion von 2013, die für den Ausbau des LTE-Netzes notwendig waren. Und ab nächstem Jahr könnte bereits die nächste Auktion anstehen, wenn Frequenzen im 700er-MHz-Spektrum unter den Hammer kommen. Die Mobilfunker hoffen hier auf die sogenannte Breitbandmilliarde des Verkehrsministeriums. Die liegt jedoch vorerst auf Eis.

In den vergangenen Monaten haben alle heimischen Mobilfunker ihre Tarife angehoben. Ohne Förderung und bei anhaltendem Wachstum des Datenvolumens könnten die Preise weiter steigen. Auch die angebotenen Datenraten könnten stagnieren. Beim FMK warnt man vor drohenden Engpässen, gerade in weniger gut erschlossenen, ländlichen Gebieten.

Eingreifen der Politik gefordert

Die Branche fordert ein Eingreifen der Politik. Abseits von der Breitbandmilliarde hofft man auch auf eine Lockerung der Regulierung. Die sei in Österreich am strengsten, beklagt man beim FMK. So wollen die Mobilfunker enger zusammenarbeiten, um beispielsweise Antennenstandorte oder auch Systemkomponenten stärker gemeinsam nutzen und dadurch Kosten sparen. Derzeit sei das nicht möglich.

Netzneutralität

Um sich einen Teil der Kosten wieder zurückzuholen, könnten die Provider auch direkt bei Diensten wie Netflix oder WhatsApp anklopfen. Im April hat sich das EU-Parlament zwar für eine Wahrung der Netzneutralität ausgesprochen. Allerdings ist eine Ausnahme für Dienste mit hohen Datenmengen vorgesehen, sofern diese andere Angebote nicht beeinträchtigen. Netflix könnte also dafür zahlen, im Netz mit hoher Datenmenge durchgestellt zu werden, wenn es sicherstellen kann, dass die Qualität anderer Dienste über das Netz nicht leidet.

Mehr Geld für mehr Datenvolumen

Unsicheren Förderungen und Zahlungen stehen ein notwendiger Ausbau der Netze und ein Abwärtstrend bei Umsätzen gegenüber. So dürfte letztlich dem Kunden wieder eine höhere Rechnung präsentiert werden, wenn noch mehr Datenvolumen konsumiert wird. Für das FMK logisch: auch wenn man mehr Strom verbraucht als im Vorjahr, muss man mehr bezahlen. (Birgit Riegler, derStandard.at, 21.5.2014)

  • Serienfans freut der Marktstart von Netflix in Österreich, die Mobilfunker rechnen dadurch mit einem weiteren Anstieg des Datenvolumens.
    foto: ap photo/elise amendola

    Serienfans freut der Marktstart von Netflix in Österreich, die Mobilfunker rechnen dadurch mit einem weiteren Anstieg des Datenvolumens.

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