Eingesparte Geschichte

Kommentar21. Mai 2014, 11:57
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Die Botschafterresidenz in Prag sollte nicht aus Kostengründen aufgegeben werden

Die Residenz des Botschafters in Prag ist nur einer von drei Orten der tschechischen Hauptstadt, an denen Österreich offiziell vertreten ist - die Botschaft selbst und das Kulturforum sind die beiden anderen. Die Residenz aber, unweit der Prager Burg mit herrlichem Blick auf die Stadt, soll aufgegeben werden. 12.800 Euro Monatsmiete sind dem Rechnungshof zu viel. Obwohl es weniger ist als eine durchschnittliche Geschäftsmiete im ersten Wiener Bezirk.

Zu den Aufgaben des Rechnungshofs zählt freilich nicht, den Wert der Geschichte zu berechnen. In dem frühbarocken Gebäude bewohnen die jeweiligen Botschafter 160 Quadratmeter. Der größere Teil wird gelegentlich für repräsentive Zwecke genützt. Viel Geschichte liegt also brach.

Gebäude umwandeln

Genau hier wäre anzusetzen. Das Außenministerium ist zwar keine Veranstaltungsagentur, aber dessen Chef Sebastian Kurz könnte seinen Ruf nützen und die Residenz mit Hilfe anderer Ministerien in ein untervermietetes Instrument für Konferenzen und Präsentationen verwandeln.

Karl Schwarzenberg hat als ehemaliger Außenminister Tschechiens in der "Presse" auf eine Rufschädigung Österreichs durch eine Schließung hingewiesen. Zu Recht. Denn eingespart wird die sich in Architektur ausprägende Geschichte schnell. Obwohl Konservative wie der für Geldüberweisungen der Republik zuständige Finanzminister Michael Spindelegger ständig von der "Bewahrung der Traditionen" reden.

Wenn ihm schon die Entfesselung der Wirtschaft nicht gelingt:  Die Prager Residenz wäre ein Beispiel für die Entfesselung von Ideen. Statt einen symbolträchtigen Ort zuzusperren. (Gerfried Sperl, derStandard.at, 21.5.2014)

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