Airwin: Wett-Startup kostete Telekom Millionen und bringt Anzeige

21. Mai 2014, 10:38
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Der Verkauf des Unternehmens hat der TA im Vorjahr 2,3 Millionen Euro Verlust beschert

Ihre Geschäftsidee mit Rennmäusen bzw. Smartphone-Wetten hat die Telekom Austria, erstens, viele Mäuse gekostet und sie zeitigt nun, zweitens, unangenehme Folgen für Telekom-Chef Hannes Ametsreiter und seinen Finanzchef, Siegfried Mayrhofer.

Anzeige

Beide wurden bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Wien angezeigt - der anonyme Einschreiter stellt, sinngemäß, die Investitionen der Telekom Austria (TA) in die 2011 von ihr gegründete Airwin Entertainment GmbH in Frage. Er äußert den Verdacht, dass über die Airwin zu Unrecht Gelder aus der Telekom gezogen worden und an Außenstehende geflossen sein könnten.

Die WKStA bestätigt den Eingang einer Anzeige "gegen TA-Verantwortliche", man prüfe nun, ob ein Anfangsverdacht vorliegt. Laut TA-Sprecher Peter Schiefer kennt man die Anzeige in der TA nicht; es gebe "keinerlei Anzeichen, dass rund um Airwin irgendetwas strafrechtlich Relevantes geschehen wäre". Es gilt die Unschuldsvermutung.

Rückblick

Kurzer Rückblick auf die Mäuse-Ära der Telekom: Im Juli 2011 hat eine TA-Beteiligungstochter die Airwin gegründet. Sie entwickelte eine Online-Spieleplattform; die sollte der Airwin den Einstieg ins Geschäft mit Handy-Wetten oder ins Online-Gaming ermöglichen.

2013 war das Projekt so weit gediehen, dass bereits erste Proberennen stattfinden konnten. In einem Studio von Marx Media Vienna (an ihr war die TA beteiligt) wurde eine Rennbahn für afrikanische Rennmäuse aufgebaut, wo die Tierchen gegeneinander antraten. Die Videos davon sollten online übertragen werden, die TA-Kunden per Handy auf die Sieger wetten. Der Einsatz sollte über Mehrwertnummer oder Kreditkarte bezahlt werden.

Verkauf

Sollte - denn: Zwei Jahre nach der Gründung, am 20. Juni 2013, hat die TA ihr Wett-Start-up - so diskret, wie sie es aufgebaut hat - auch wieder verkauft, an die deutsche Online-Game-Gesellschaft Gamigo AG. Über den Kaufpreis wurde eine Decke des Schweigens gebreitet. Selbige kann dank Geschäftsbericht 2013 nun ein wenig gelüftet werden: Der aus dem Verkauf der Airwin "resultierende Verlust" hat 2013 demnach 2,28 Mio. Euro betragen. Laut TA gibt es aber eine Besserungsklausel.

Ungeschickte Geschäfte

Im Lauf der zwei Jahre ihrer Existenz hat die Airwin die TA ganz schön viel gekostet. Die Telekom schoss rund 4,5 Mio. Euro in ihr Start-up ein, im ersten Jahr wurde fast eine Million Euro abgeschrieben. 2012 (Verlust: 2,5 Mio. Euro) hatten die Personalkosten für vier Angestellte 416.000 Euro betragen, der Beratungsaufwand 316.000 Euro. "Nichts Ungewöhnliches", sagt der Sprecher der TA, denn bei Start-ups seien Personal- und Beratungskosten (unter denen liefen die Ideen für die Spiele) nun einmal hoch.

Gerüchte, wonach Ametsreiters rechte Hand, Michael Jungwirth, die Idee für die Wettgeschäfte gehabt habe, werden in der börsennotierten Gesellschaft dementiert. Jungwirth war einst vom Kabinett von Staatssekretär Herbert Kukacka (ÖVP) in die TA gewechselt und hat die Airwin ab ihrer Gründung bis Mitte 2012 geleitet.

"Geschicklichkeitsspiel"

Für das rechtliche Problem, dass die TA gar keine Wetten durchführen darf, hatte man übrigens einen Ausweg: Die ganze Geschichte sollte unter dem Titel "Geschicklichkeitsspiel" laufen. (Renate Graber, Der Standard, 21.05.2014)

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