Anschlagswelle in Nigeria: Mehr als 100 Tote

21. Mai 2014, 13:37
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Zwei Sprengsätze im Abstand von wenigen Minuten in Jos explodiert - Boko Haram in Verdacht

Abuja/Jos - In Nigeria sind bei zwei Bombenanschlägen am Dienstag mindestens 118 Menschen getötet worden. 56 weitere Menschen seien durch die in kurzem Abstand detonierten Sprengsätze in einem belebten Geschäftsviertel in der Stadt Jos verletzt worden, teilten die Behörden mit. Wie am Mittwoch bekannt wurde, sollen bei zwei weiteren Anschlägen im Nordosten des Landes weitere 30 Menschen getötet worden sein. Hinter den Angriffen wird die islamistische Gruppe Boko Haram vermutet, die im April mehr als 200 Schülerinnen verschleppt hat.

"Wir haben bislang 118 Leichen aus den Trümmern geborgen", sagte der Koordinator der Rettungsarbeiten in dem nordöstlich der Hauptstadt Abuja gelegenen Ort. Die Zahl könnte aber weiter steigen - noch seien viele Trümmer nicht weggeräumt worden. Mehrere Geschäfte brannten aus. Fensterscheiben gingen zu Bruch. Ringsum lagen Trümmer auf der Straße.

Lastwagen und Kleinbus explodiert

Am Nachmittag sprengten die Attentäter zunächst einen Lastwagen in die Luft, wie das Militär mitteilte. Die Rettungskräfte seien schnell vor Ort gewesen. Etwa 20 Minuten später sei in einem Kleinbus dann die zweite Bombe explodiert. Laut Zeugenaussagen wurden dabei auch mehrere Sanitäter getötet.

Einige Opfer könnten aufgrund der starken Verbrennungen nicht identifiziert werden, teilte das Nationale Katastrophenschutzamt mit. Feuerwehrleute seien im Einsatz, um den Großbrand am Anschlagsort zu löschen. Mehrere Geschäfte seien durch das Feuer komplett zerstört worden.

Tödliche Auseinandersetzungen an der Grenze

Jos liegt im Bundesstaat Plateau, an der Schnittstelle zwischen dem christlich geprägten Süden Nigerias und dem muslimischen Norden. In der Vergangenheit gab es dort immer wieder tödliche Auseinandersetzungen. Hintergrund sind oftmals religiös motivierte Konflikte. Die Extremistengruppe Boko Haram, die im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias für einen islamistischen Staat kämpft, hatte im Juli 2012 außerhalb von Jos eine Trauergemeinde angegriffen.

Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan verurteilte die Anschläge und sprach von einem grausamen Verbrechen. Die Regierung bleibe dem Kampf gegen den Terror verpflichtet, sagte er und kündigte ein schärferes Vorgehen gegen Aufständische an.

Boko Haram soll auf UN-Sanktionsliste

Seit dem Jahr 2009 verübt Boko Haram immer wieder Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen. Nigerias Regierung forderte den UN-Sicherheitsrat am Dienstag offiziell auf, Boko Haram als Terrororganisation einzustufen und wegen ihrer Verbindungen zu Al-Kaida auf die Sanktionsliste gegen das Terrornetzwerk zu setzen. Falls keines der 15 Mitglieder des UN-Gremiums Einspruch erhebt, tritt die Maßnahme am Donnerstagabend in Kraft.

Die Verhängung internationaler Strafmaßnahmen wie Reiseverbote, Kontosperrungen und Waffenembargos war am Samstag bei einem Krisengipfel in Paris vorgeschlagen worden, zu dem sich Nigeria und mehrere Nachbarländer sowie Vertreter der EU und der USA getroffen hatten. Bei der Konferenz vereinbarten Nigerias Präsident Goodluck Jonathan und seine Kollegen aus Kamerun, Niger, Tschad und Benin auch einen gemeinsamen Aktionsplan, um Boko Haram zu bekämpfen. (APA, 21.5.2014)

  • Bombenalarm in Jos.
    foto: ap

    Bombenalarm in Jos.

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