Stahlbaron als Beherrscher des Ostens

Kopf des Tages20. Mai 2014, 17:57
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Rinat Achmetow, der reichste Mann der Ukraine

Geld ist Macht. In kaum einem anderen Land gilt diese Wahrheit mehr als in der Ukraine, und kaum jemand verkörpert sie dort anschaulicher als Rinat Achmetow. Seit einem Jahrzehnt führt er regelmäßig die Liste der reichsten Ukrainer an. Im Vorjahr schätzte Forbes sein Vermögen auf 15,4 Milliarden Dollar (11,3 Mrd. Euro).

Der Ursprung des Kapitals liegt im Dunkeln. Gegen Berichte, dass Achmetow den Grundstock dafür mit kriminellen Geschäften gelegt habe, gehen die Anwälte des Oligarchen regelmäßig, rigoros und erfolgreich vor. Er selbst gab einmal vage an, seine erste Million in den Jahren der "informellen Wirtschaft" Anfang der 1990er-Jahre mit dem Kohlehandel gemacht zu haben.

1996 wurde er, nachdem sein Vorgänger Achatj Bragin alias Alik der Grieche bei einem Sprengstoffanschlag ums Leben kam, Präsident des Fußballklubs Schachtjor Donezk, den er zu einem der erfolgreichsten Vereine des Landes (Uefa-Cup-Sieger 2009) mit mächtiger Fanbasis ausbaute. Nebenbei "erbte" Achmetow die dominierende Stellung Bragins in Donezk, wo er zum einflussreichsten Kohle- und Stahlmagnaten aufstieg.

In die Politik stieg Achmetow hingegen erst relativ spät ein: 2004 unterstützte er Wiktor Janukowitsch im Präsidentenwahlkampf. Dessen damalige Niederlage im Gefolge der Orangen Revolution konnte Achmetows Aufstieg nicht stoppen. Er wurde zum Großsponsor der Partei der Regionen, für die er bis 2012 auch im Parlament saß. Sein Einfluss ging weit über den eines normalen Abgeordneten hinaus. Der 48-Jährige galt als graue Eminenz, die im Hintergrund die Fäden zog.

Achmetows Rolle beim Maidan ist umstritten. Der Sturz Janukowitschs stellte sein Imperium infrage. Der selbsternannte "Volksgouverneur" von Donezk, Pawel Gubarew, behauptete, Achmetow habe die Separatistenbewegung finanziert, um sie zu kontrollieren und als Instrument gegen Kiew einzusetzen. Achmetow bestreitet dies. Zuzutrauen wäre ihm ein solcher Schachzug allerdings schon. An einem echten Anschluss des Donezbeckens an Russland hat er freilich kein Interesse. In der Ukraine ist er die Nummer eins, in Russland nur einer unter vielen Oligarchen - und nicht besonders konkurrenzfähig.

Achmetows Aufruf an seine Arbeiter in der "Donezker Republik", Widerstand zu leisten, dürfte daher das "Kommando zurück" sein. Was er im Gegenzug ausgehandelt hat, bleibt vorerst sein Geheimnis. (André Ballin, DER STANDARD, 21.5.2014)

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