"Fatale Zäsur für Branche, ORF, Politik": Filmer fordern Fünftel der TV-Gebühren

Interview20. Mai 2014, 17:24
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Mittwoch übergaben Produzenten und Künstler Barbara Prammer 10.000 Unterschriften für 120 ORF-Millionen. Die Mindestquote sei rechtlich möglich, erklärt Filmobmann Danny Krausz

STANDARD: Mehr als 10.000 Menschen unterstützen Ihre Petition, dass der ORF 20 Prozent seiner Gebühreneinnahmen in österreichische TV-Produktionen investieren muss. Warum übergeben Sie die Petition Mittwoch der Nationalratspräsidentin und nicht dem ressortzuständigen Medienminister?

Krausz: Soviel ich weiß, wollte Josef Ostermayer sie nicht entgegennehmen. Warum, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht hat er ja nur keine Zeit. Bei Barbara Prammer sind die Unterschriften gut aufgehoben. Sie hat eine Affinität zur Branche und erkennt die Dringlichkeit. Aber dem Kultur- und Medienminister ist schon bewusst, dass wir da ein massives Problem haben.

STANDARD: Immer wenn der ORF mehr Geld braucht oder Kürzungen seiner Einnahmen verhindern will, setzt er die - proteststarke - Film- und Produktionsbranche als Hebel gegenüber der Politik ein. Wie fühlt man sich als Rammbock?

Krausz: Wir haben keine Lust auf diese Rolle. Wir wollen als unabhängige Unternehmer und Künstler Programme produzieren, die die Menschen sehen wollen. Wir haben keinen Einfluss auf das ORF-Budget. Aber: Wenn die Allgemeinheit Rundfunkgebühren zahlt, dann hat sie Anspruch auf Leistungen des ORF - und die sind heute infrage gestellt, weil die Republik dem ORF Gebührenbefreiungen nicht mehr abgilt. Warum sollen die Leute für den ORF zahlen und ihn sehen, wenn die Politik und der ORF dafür sorgen, dass es keine österreichischen Programme mehr gibt? Das haben die Fernsehzuschauer nicht verdient. Schon gar nicht, wenn man die Erfolge österreichischer Produktionen sieht.

STANDARD: Nun hat der Medienminister eine Novelle vorgelegt: Das Gesetz soll den ORF verpflichten, mindestens acht Millionen im Rahmen des Film-Fernseh-Abkommens beizutragen - sonst wird ihm das Geld von den Gebühren abgezogen.

Krausz: Der Beitrag ist - auch EU-rechtlich - wichtig, um die Kinoproduktion abzusichern. Aber das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Davon kann die Branche nicht leben. Das sind nicht einmal zehn Prozent dessen, worum es hier geht.

STANDARD: Sie fordern 20 Prozent der Gebühreneinnahmen des ORF per Gesetz zweckgewidmet für Auftragsproduktionen. In der Debatte heißt das "für österreichischen Film". Tatsächlich sind das alle Aufträge des ORF nach außen, auch ein externes Kamerateam für einen "ZiB"-Beitrag.

Krausz: Das sind alle vom ORF nach außen vergebenen Produktionen, auch etwa Shows.

STANDARD: Der Medienstaatssekretär hat Ihnen erklärt, ein solcher Prozentsatz würde zu stark in Programmhoheit des ORF eingreifen.

Krausz: Wir haben den Verfassungsrechtler Walter Berka mit einem Gutachten darüber beauftragt. Schon jetzt ist aber klar, dass eine solche Quote sehr wohl zulässig wäre - es gibt sie ja auch in anderen EU-Ländern. Man muss das sehr überlegt formulieren, aber möglich ist es.

STANDARD: 20 Prozent entsprechen heute rund 120 Millionen Euro im Jahr, ein Stück mehr als das Auftragsvolumen des ORF zuletzt vor Kürzungen. Was, wenn diese Vorschrift nicht kommt?

Krausz: Für eine Branche, die sich so positiv entwickelt, und für die vor allem jungen Arbeitsplätze in dieser Branche wäre das eine fatale Zäsur. Aber ebenso für den ORF, der qualifiziertes Programm braucht, um nicht weiter Quote zu verlieren. Und für die Politik: Was hat sie von einem öffentlich-rechtlichen Medium, wenn seine Quote ins Bodenlose sinkt? (Harald Fidler, DER STANDARD, 21.5.2014)

Danny Krausz (56) ist Obmann des Fachverbands der Film- und Musikindustrie sowie Gründer und Miteigentümer der Dor Film ("Zweisitzrakete", "Der Teufelsgeiger", "Der Letzte der Ungerechten", "Sarajevo").

  • Danny Krausz.
    foto: standard/newald

    Danny Krausz.

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