"Gedankenspiele" über Wohnbau anstelle des Salzburger Flughafens

20. Mai 2014, 18:51
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Verkehrsaktivisten stellen Salzburger Airport infrage

Salzburg - Noch ist es nur ein "Gedankenspiel", wie der Salzburger Ökoaktivist Erik Schnaitl selbst sagt. Aber ein Spiel, das aus seiner Sicht den Anstoß für eine neue Stadt- und Regionalentwicklung darstellen könnte.

Schnaitl - ehemals Chef der Verkehrsinitiative "fairkehr" - stellt in einer Postkartenkampagne die Existenz des Salzburger Flughafens grundsätzlich infrage: "150 Kilometer von Salzburg entfernt, in München, liegt einer der größten Flughäfen Europas, in einer Stunde mit dem Zug erreicht man den Flughafen Linz-Hörsching", sagt Schnaitl.

Würde man den Flughafen in Salzburg auflassen, stünde plötzlich ein Areal von 175 Hektar zur Verfügung. Schnaitl: "Das sind 250 Fußballfelder" in bester Stadtlage. Hier könnten Wohnungen für 15.000 Menschen gebaut werden.

Lukrative Teilumwidmung

Er hat auch die finanzielle Seite durchgerechnet. Für die Betreiber des Flughafens - Stadt und Land Salzburg - könnte eine Teilumwidmung des Flughafengeländes bei konservativ gerechneten 500 Euro pro Quadratmeter Bauland leicht 500 Millionen Euro bringen.

Bei einer einprozentigen Verzinsung wären das fünf Millionen pro Jahr bei gleichbleibendem Kapital. Dagegen seien die Gewinnausschüttungen des Flughafens von vier Millionen Euro "eher vernachlässigbar", vor allem auch, weil der Flughafen keine Grundstückssteuer entrichten müsse.

Der rührige Verkehrsaktivist schlägt vor, dass Stadt und Land eine "von neutraler Seite" durchgeführte volkswirtschaftliche Untersuchung über die Andersnutzung des Flughafengeländes in Auftrag geben. In dieser soll auch erhoben werden, ob wirklich große Firmen abwandern würden, wenn der Flughafen vor der Haustüre zugesperrt werde.

"Sektierer"

Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) ist angesichts des Konfliktes mit den bayerischen Nachbarn um den Fluglärm von Schnaitls Initiative ganz und gar nicht begeistert: "Der Airport ist ein Kernstück der hochwertigen Verkehrsinfrastruktur von Stadt und Land Salzburg, unverzichtbar für den Standort und Arbeitgeber für rund 1500 Menschen", sagt Schaden. "Sektierer mögen sich aus der Diskussion raushalten - dafür ist die Sache zu ernst." Die Verbreitung "absurder Vorstellungen" helfe auch dem intensivierten Dialogprozess zwischen Flughafen und Anrainern nicht.

Schnaitl hat Schadens Ball dankbar aufgenommen. Man nehme die Auszeichnung "Sektierer" gerne entgegen, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme zu Schadens Aussagen. "Treffender könnte unsere Abkehr von der religiös anmutenden Anbetung des als alternativlos dargestellten Flughafenareals kaum dargestellt werden." (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 21.5.2014)

  • So könnte "das schöne Salzburg" ohne Flughafen aussehen.
    foto: erik schnaitl

    So könnte "das schöne Salzburg" ohne Flughafen aussehen.

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