Glas oder Kelch?

Kolumne27. Mai 2014, 13:51
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Zu jedem Bier gibt es ein perfektes Glas - aber das muss ausprobiert werden

Die Auswahl der Biergläser obliegt in den meisten Brauereien der Marketingabteilung: Es soll halt Platz für das Logo bieten und wenig kosten. Das kann dazu führen, dass Zahnputzbecher oder Marmeladegläser gewählt werden.

Damit haben sich die meisten Glashersteller abgefunden. Nicht so Spiegelau, ein Tochterunternehmen der auf Weingläser spezialisierten Glashütte Riedel. Diese Woche bat das Werk in die Oberpfalz, um nicht nur seine neuen Gläser für Stout und IPA zu präsentieren, sondern auch um ein paar außergewöhnliche Biere zu verkosten, darunter ein drei Jahre gereiftes Belgian Strong Ale, dem der Brauer Hollerblüten zugesetzt hatte.

Bier-Aroma

Nun glaubt man zu wissen, dass man belgische Ales am besten aus weit ausladenden Kelchen trinken soll, weil man da das Aroma am besten in die Nase bekommt - manche belgische Brauerei druckt auch sicherheitshalber ein durchgestrichenes Becherglas aufs Etikett.

Also flott das Tulpenglas von Spiegelau genommen, das erfahrungsgemäß fair zu allen Bieren ist. Das Ale zeigte einen fruchtig-süßlichen Duft, der ein wenig nach Eibisch roch, und einen leicht säuerlichen Antrunk. Na ja.

Sensationell wirkte dasselbe Bier dagegen aus einer eher für Pils gemachtten Stange: Da wirkte es dem Alter zum Trotz rezent, blumig (ja, die Hollerblüte!) und angenehm herb. In diese Richtung würde man gerne weiter forschen! (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 23.5.2014)

  • Weg vom Marmeladeglas: Spiegelau-Gläservielfalt.
    foto: spiegelau

    Weg vom Marmeladeglas: Spiegelau-Gläservielfalt.

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