Softskills geben den Ausschlag - Plus Checkliste fürs Interview

21. Mai 2014, 10:43
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Warum "Softskills" bei der Auswahl der Mitarbeiter zu wenig berücksichtigt werden und gute Jobinterviews selten sind, erklärt Trainer und Berater Jens Neumann

Unternehmen werden künftig viel intensiver in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren müssen, ist Trainer und Berater Jens Neumann (Hartig.Stein & Partner) sicher. Mit der raschen Entwicklung der Industrie könne das Bildungssystem nämlich nicht mithalten, sagt Neumann, was wiederum bedeute, dass sich Unternehmen künftig sehr genau überlegen müssten, in wen sie investieren wollen.

Nur auf Hartskills, also auf das rein fachliche Wissen eines Kandidaten zu schauen, hält der Berater für kurzsichtig. Neumann: Die Haltung "Hauptsache fachlich top - die Persönlichkeit biete ich mir schon hin" - führt häufig zu Fehlbesetzungen. Die Personalentwicklung soll dann abfedern, was bereits im Recruiting verbockt worden ist. Und das gelingt nur bedingt, kostet aber dafür viel Nerven, Zeit und Geld aller Beteiligten."

40 Prozent fühlen sich am falschen Platz

Wie also geht es besser? "Ein Auswahlprozess ist immer eine Interaktion", sagt Neumann, "beide Seiten wollen und müssen sich gut darstellen. Das führt jedoch oft dazu, dass die gegenseitigen Vorstellungen einer Zusammenarbeit unerkannt, schlecht kommuniziert, unvollständig oder im schlimmsten Fall bewusst falsch dargestellt werden." Der Berater verweist auf eine aktuelle Studie der zufolge sich rund 40 Prozent der Arbeitnehmer fehl am Platz fühlen. "Umfangreichere Auswahlprozesse, mehr Klarheit bei den Softskills und sehr gut ausgebildete Assessoren helfen, Fehlbesetzungen zu verringern", sagt er.

Einen Grund für Fehlbesetzungen sieht Neumann weniger in der Evaluierung - diese erfolge in vielen Unternehmen sehr professionell. Vielmehr treten Probleme aus Zeitmangel auf - die Personalsuche werde allzu oft "nebenbei", also neben dem Tagesgeschäft gemacht. Neumann: "Das beginnt bereits bei der Profilerstellung und da speziell bei den Softskills. Persönliche Eigenschaften müssen in Verhalten übersetzt werden, wenn diese besser evaluiert werden sollen. In der Praxis passiert das leider noch zu selten."

Allgemeinpostulate anstatt genauer Reflexion

Zahlreiche Führungskräfte seien sich, laut Neumann, auch gar nicht im Klaren darüber, welche Skills sie genau suchen, welche sie für ihre Unternehmung brauchen. Schnell fallen Schlagworte wie Teamfähigkeit oder Kommunikationsstärke und Flexibilität - ohne diese aber gemeinsam mit der HR und ganz konkret für das Unternehmen zu reflektieren. Zielgerichtete Bewerberinterviews seien so nicht möglich, die Trefferquote marginal.

Unternehmen machen häufig den Fehler zu glauben, selbst nicht auf dem Prüfstand zu stehen. Neumann: "Kandidaten evaluieren genauso: 'Wie ist das Klima? Kann ich mit denen, will ich das?' Daher sollten gegenseitige Offenheit, Fairness und Respekt eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein." (red, derStandard.at, 21.5.2014)

Jens Neumann ist Trainer und HR-Consultant bei Hartig.Stein & Partner. Er berät Unternehmen im Bereich Kommunikation, Leadership-Development, Potenzialanalysen sowie in der Recruiting Optimierung.

Die Checkliste für Bewerber finden Sie hier.

Für die Bewerbungsmappe: Lebenslaufvorlage zum Download

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