Experimenteller Fusionsreaktor: Vorbereitungen für Betriebsphase starten

23. Mai 2014, 18:16
402 Postings

Forscher wollen ab 2015 untersuchen, ob Anlagen vom Typ "Stellarator" praktikabel sind

Greifswald - Energiegewinnung ohne große Risiken oder schädliche Rückstände – und dabei praktisch unerschöpflich: Von der Kernfusion erhoffen sich viele nichts Geringeres als das Ende der Energieprobleme. Noch gilt es einige Hürde zu überwinden, zahlreiche Projekte machten in den vergangenen Jahren kleinere und größere Fortschritte, darunter etwa der "ITER", ein in Frankreich entstehender experimenteller Reaktor, der bis 2019 fertiggestellt werden soll.

Einen wichtigen Meilenstein bildet nun die Fusionsanlage Wendelstein 7-X in Greifswald im deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Die Versuchanlage ist nach neunjähriger Bauzeit fertiggestellt, der Startschuss für Vorbereitungen für die Betriebsphase wurde nun offiziell gegeben. Mit dem 750 Tonnen schweren Wendelstein 7-X wollen die Forscher ab 2015 untersuchen, ob sich eine Anlage des Typs "Stellarator" für ein Fusionskraftwerk eignet und welche Bedingungen erforderlich sind, um in Zukunft wesentlich zur Energieversorgung beitragen zu können.

Starkes Magnetfeld hält Plasma im Zaum

Nicht nur der Betrieb, schon die Montage von Wendelstein 7-X war eine Herausforderung: Da die Kernfusion erst bei einer Temperatur von rund 100 Millionen Grad Celsius zündet, muss das Fusionsplasma von einem Magnetfeld in der Schwebe gehalten werden, damit sich das dünne Plasma an den Wänden nicht abkühlt. So war der Bau an sich ein Experiment, viele Methoden wurden erst während dieses Prozesses entwickelt.

Bund, Land und EU steuerten insgesamt 370 Millionen Euro bei. Neben dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) trugen von Helmholtz-Seite aus auch das Karlsruher Institut für Technologie und das Forschungszentrum Jülich zum Aufbau von Wendelstein 7-X bei. Darüber hinaus waren zahlreiche in- und ausländische Unternehmen und Forschungseinrichtungen beteiligt. So investierte beispielsweise die Polnische Akademie der Wissenschaften in Krakau 160 Personenjahre Arbeitszeit in die Montage. (red, derStandard.at, 23.05.2014)

  • Das Innere von Wendelstein 7-X: Ab 2015 wollen Forscher hier mit Kernfusion experimentieren.
    foto: ipp, wolfgang filser

    Das Innere von Wendelstein 7-X: Ab 2015 wollen Forscher hier mit Kernfusion experimentieren.

Share if you care.