Wohnungsmarkt: "Hype ist weitgehend vorbei"

20. Mai 2014, 14:45
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WKÖ sieht Trendwende in den ersten Monaten 2014 - Im Jahr 2013 stiegen die Preise aber teilweise noch deutlich

Wien – Die erwartete Einbremsung des österreichischen Immobilienmarkts hat eingesetzt – zumindest nach der Wahrnehmung des WKÖ-Fachverbands der Immobilientreuhänder. “Der Hype ist weitgehend vorbei”, sagte Obmann Thomas Malloth am Dienstag und verwies auf Preissteigerungen “unterhalb der Wahrnehmungsgrenze” in den ersten Monaten des heurigen Jahres.

Kaum Preisrückgänge

Allerdings: Zu substanziellen Preisrückgängen wird es wohl auch künftig nicht kommen. Daran ist für Malloth die “extreme Verknappungssituation” schuld, die aus seiner Sicht von der Politik “grob fahrlässig in Kauf genommen wurde”. Übersetzt heißt das: “Es wird viel zuwenig gebaut.”

Der Mangel sei insbesondere am Markt für gebrauchte Eigentumswohnungen spürbar, wo es laut dem am Dienstag präsentierten Immobilienpreisspiegel der WKÖ von 2012 auf 2013 in Wien zu einer Verteuerung von 12,8 Prozent gekommen ist; der anhand von Makler-Befragungen ermittelte Durchschnittspreis lag im Vorjahr bei genau 2.616,41 Euro pro Quadratmeter.

"Horten" von Wohnungen

Am engen Markt war allerdings auch etwas anderes schuld: Offenbar wegen der Erwartung weiter steigender Preise wurden zuletzt wenige gebrauchte Wohnungen zum Kauf angeboten, berichtete Wiens Fachgruppenobmann Michael Pisecky. Nun dürfte sich diese Situation seiner Ansicht nach wieder entspannen, “in den nächsten Jahren sollten wieder mehr gebrauchte Eigentumswohnungen auf den Markt kommen.”

2013 verteuerte sich diese Kategorie jedenfalls auch in der Steiermark um sechs Prozent, in der Hauptstadt Graz sogar um 12,06 Prozent (von 1.718,45 auf 1.925,70 Euro je Quadratmeter) und damit fast genau so stark wie in Wien.

Generell gab es in Graz im Vorjahr die größten Preissteigerungen, insbesondere auch bei Einfamilien- und Reihenhäusern. Der steirische Fachgruppenobmann Gerald Gollenz  führt dies darauf zurück, dass in den vergangenen Jahren grundsätzlich sehr wenige Projekte fertiggestellt worden seien und der Anteil an “Exklusivem” deshalb vergleichsweise hoch ausgefallen ist. Künftig erwartet Gollenz aber wieder ein etwas gemächlicheres Tempo.

Teures Eigentum im Ländle

In Vorarlberg gab es 2013 die stärkste Verteuerung bei neu errichteten Eigentumswohnungen (Erstbezug), in Wien hat sich der Aufwärtstrend im Vorjahr etwas eingebremst. Teuerstes Pflaster ist die Bundeshauptstadt mit durchschnittlich 3.872,98 Euro/m² aber weiterhin, was vor allem an den hohen Preisen in der City liegt. Mittlerweile seien aber auch in Wien die Käufer “preissensibler” geworden, so Pisecky.

Die Mieten für Wohnungen mit freiem Mietzins (keine Altbauten, keine Gemeinde- oder Genossenschaftswohnungen) stiegen in Vorarlberg am stärksten, nämlich um 5,15 Prozent auf 8,58 Euro je Quadratmeter, womit das “Ländle” im Bundesländer-Vergleich Nummer 2 hinter Wien ist (9,12 Euro/+0,11 Prozent).

800 Euro als "Schmerzgrenze" bei Wiener Mietwohnungen

Pisecky sieht die “Schmerzgrenze”, ab der die Nachfrage nach Wiener Mietwohnungen deutlich nachlässt, mittlerweile bei nur noch 800 Euro. Dies sei klar auf die reale Einkommensentwicklung zurückzuführen, und darauf müssten auch die Bauträger nun reagieren.

Die neue Wiener Bauordnung sollte einiges dazu beitragen, billiger bauen zu können – sie lässt aber immer noch auf sich warten. “Dabei brauchen wir sie schon so dringend”; so manches Projekt werde deshalb  verzögert umgesetzt, ist der Wiener Fachverbandsobmann überzeugt. (Martin Putschögl, derStandard.at, 20.5.2014)

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    grafik: apa
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