Billa will bald auch Grazer und Linzer via Internet beliefern

20. Mai 2014, 14:28
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Online-Handel steckt im Lebensmittelbereich noch in den Kinderschuhen 

Der Online-Handel mit Lebensmitteln steckt in Österreich noch in den Kinderschuhen, erst rund 2 Prozent der Waren werden im Internet bestellt. Billa ist schon vor 15 Jahren ins Web gegangen, setzt online aber erst 3 bis 4 Mio. Euro um. Das Wachstum sei jedoch mit über 50 Prozent im Jahr 2013 beträchtlich, sagen die Billa-Chefs. Ab Herbst wollen sie ihren Lieferservice auf Graz und Linz ausdehnen.

Wer sich im Internet einen Warenkorb zusammenstellt, kann diesen auch in ausgewählten Filialen abholen

Derzeit beliefert Billa seine Kunden nur in Wien und Wien-Umgebung, Kostenpunkt ab 5,99 bzw. 8,99 Euro. Wer sich im Internet einen Warenkorb zusammenstellt, kann diesen auch in ausgewählten Filialen abholen, dies kostet 1 Euro. In Wien will die Rewe-Tochter das bald in "fast jedem" Geschäft anbieten, sagte Vorstandssprecher Volker Hornsteiner am Dienstag vor Journalisten. Billa denkt auch an Lösungen wie versperrbare Kühlboxen, damit die Kunden nicht zu Hause sein müssen, wenn die Lieferung kommt - das Zeitfenster beträgt immerhin drei Stunden. Ab Herbst soll es die Hauszustellung dann auch in Graz und Linz geben, "wahrscheinlich" komme heuer Salzburg noch dazu.

Lebensmittelhändler, die auch via Internet verkaufen wollen, müssen viel Geld für Logistik ausgeben, die Lieferung von frischen Waren ist teuer und drückt auf die Margen. Billas Online-Handel ist noch nicht profitabel, so Hornsteiner. Die Handelskette denkt daher nicht daran, die Liefergebühr abzuschaffen. Außerdem gibt es online kaum Aktionen. Mittelfristig, skizziert der Vorstand, "werden wir vor allen in Ballungszentren nicht um vollautomatisierte Lager herumkommen". "Die schaffen das Zehnfache an Kommissionierung", erklärt Hornsteiners Vorstandskollege Josef Siess. Das ganze sei aber noch Zukunftsmusik.

"Wir werden in den nächsten Jahren moderater expandieren"

Billa werde in den nächsten Jahren rund 10 Prozent seines Umsatzes ans Internet verlieren - möglichst nicht an den Mitbewerb, so Hornsteiner. Der größte Lebensmittelhändler des Landes steht daher bei der Filialexpansion auf der Bremse. "Wir werden in den nächsten Jahren moderater expandieren", sagte Hornsteiner. Billa versucht, wie auch seine Rivalen, auf der bestehenden Fläche zu wachsen. Im vergangenen Jahr "ist uns das überproportional gut gelungen", so Siess. Billa habe 2013 seinen Marktanteil auf mehr als 18 Prozent gesteigert. Zu Umsatz und Gewinn macht der Konzern keine Angaben. 2012 setzte die Billa AG laut "FirmenCompass" 5,87 Mrd. Euro um, der Jahresüberschuss betrug 219 Mio. Euro, nach einem Verlust von 12,6 Mio. Euro 2011.

2013 kamen netto 15 neue Filialen dazu, insgesamt gibt es 1.047 Billa-Geschäfte, in denen rund 18.000 Menschen arbeiten. Billa steckt heuer erneut 145 Mio. Euro in die Modernisierung seiner Filialen. "Jetzt kommen die umsatzschwächsten dran", so Hornsteiner. Bis Ende des Jahres sollen 80 Prozent aller Billa-Märkte generalsaniert sein. Kommendes Jahr will Billa noch einmal die gleiche Summe in den Umbau investieren.

In 20 Jahren, glaubt Hornsteiner, wird es weniger Lebensmittelgeschäfte geben. "Auch das Sortiment wird sich ändern." Waschmittel oder andere schwere Waren zum Beispiel werden sich die Kunden dann vermehrt nach Hause liefern lassen.

Preisdruck

Im stationären Handel leiden die Lebensmittelhändler seit Jahren unter dem Preisdruck. Billa-Vorstand Siess sieht deshalb die 1+1-Aktionen "kritisch", wie er sagte. Aber wegen des Mitbewerbs mache man mit. Siess macht da auch Markenartikelhersteller wie Procter & Gamble mitverantwortlich. Toilettenpapier oder Waschmittel werde fast nur mehr in Aktion gekauft.

Bei den Lebensmitteln setzt Billa vermehrt auf österreichische Produkte, hat mittlerweile auch 200 regionale Kleinlieferanten. Laut Siess stammt rund ein Drittel des Sortiments aus Österreich, mit denen Billa aber mehr als 50 Prozent seines Umsatzes macht. An eine Ausdehnung der Öffnungszeiten denken die Billa-Chefs nicht - obwohl Konkurrent Hofer jetzt in Wien teils bis 20 Uhr offen hat. (APA, 20.5. 2014)

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