Unwetterschäden in Niederösterreich auf bis 20 Millionen Euro geschätzt

20. Mai 2014, 14:26
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Pernkopf: Rund 1.000 Objekte betroffen - Landesregierung beschloss eine Mio. Euro Soforthilfe

St. Pölten - Bei der Unwetterfront samt Hochwasser im südlichen Niederösterreich und im Mostviertel entlang des Voralpenkamms sind am vergangenen Freitag bis zu 1.000 Objekte und vor allem auch die Infrastruktur, etwa Straßen, beschädigt worden. Landesrat Stephan Pernkopf (ÖVP) bezifferte den entstandenen Schaden in einer Pressekonferenz am Dienstag mit zehn bis 20 Millionen Euro.

Die Gefahr von Hangrutschungen sei noch nicht gebannt, ein Geologe sei deshalb zur Prüfung unterwegs. Noch müssten auch Verklausungen beseitigt und Rückhaltebecken ausgeräumt werden, so Pernkopf. In den betroffenen Gemeinden nahmen die Schadenskommissionen am Dienstag die Arbeit auf, die Landesregierung beschloss in ihrer Sitzung eine Million Euro für Soforthilfemaßnahmen, aber auch Mittel für weitere Hochwasserschutzmaßnahmen in Erlauf (2,2 Mio.) und am Kamp-Unterlauf Süd (sechs Mio. Euro).

Der Hochwasserschutz gehe forciert weiter, ging Pernkopf auf das von der Aktualität überholte eigentliche Thema der Pressekonferenz, eine Bilanz ein Jahr nach dem Jahrhunderthochwasser entlang der Donau im Juni 2013 mit 4.000 betroffenen Objekten und 100 Mio. Euro Schaden, ein. Land und Bund hätten die Mittel für den Hochwasserschutz weiter erhöht, um den Ausbau der Schutzprojekte noch rascher vorantreiben zu können, sodass die noch fehlenden Anlagen an der Donau bis 2019 statt wie geplant bis 2023 fertiggestellt werden können. In Summe werden in Niederösterreich bis 2023 rund 861 Mio. Euro in den Hochwasserschutz investiert, davon entfallen allein 100 Millionen auf das heurige Jahr. Derzeit sind 110 Schutzmaßnahmen in Bau, 35 weitere starten noch 2014.

Die österreichische Versicherungswirtschaft erneuerte angesichts des aktuellen Hochwassers die Forderung nach einer Pflichtversicherung für Naturkatastrophen. Damit wäre ein Rechtsanspruch auf Entschädigung gegeben, gleichzeitig würde die öffentliche Hand entlastet, so die Versicherer. Eine solche Versicherung wäre "leistbar" und könnte etwa für ein Eigenheim bei 5 Euro/Monat liegen.

Sonderalarmpläne

Das Flutereignis wurde behördlich analysiert, in Zusammenarbeit mit Gemeinden und Einsatzorganisationen wurden Sonderalarmpläne entwickelt. Trotz aller Maßnahmen sei aber klar, "einen hundertprozentigen Schutz vor der Natur gibt es nicht", so Pernkopf. Unverzichtbar sei daher im Katastrophenfall der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr und Rettung sowie des Bundesheeres. Die Sicherheit der Menschen dürfe nicht gefährdet werden, forderte der Landesrat "Schluss mit dem Kaputtsparen des Bundesheeres". NÖ Militärkommandant Rudolf Striedinger bilanzierte eine "ausgezeichnete" Zusammenarbeit 2013. Aktuell sei aufgrund der Leistungen der Feuerwehr nur eine "relativ bescheidene" Hilfe bei den Aufräumarbeiten nötig gewesen.

Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner zufolge stehen 5.000 Freiwillige permanent als Schnelleinsatztruppe zur Verfügung, diese Schlagkraft könne sich in Europa sehen lassen. Parallel zum Einsatz im Bundesland lief am Samstag ein Hilfseinsatz bei der Hochwasserkatastrophe in Bosnien an. Bisher wurden bei Orasje im Nordosten des Landes 180 Menschen gerettet, laut Fahrafellner wurde auch ein drei Monate altes Baby aus den Fluten geborgen. Viele Menschen seien nicht bereit, ihre Orte zu verlassen und müssten auf den Dächern ihrer Häuser versorgt werden. Durch unzählige verendete Tiere sei die Seuchengefahr groß. Rotkreuz-Vizepräsident Josef Schmoll meinte, auf Anforderung könnte das Rote Kreuz die Trinkwasserversorgung übernehmen.

Lahnsattelstraße gesperrt

Folgen für den Verkehr gibt es an der B23, der Lahnsattelstraße. Rund 200 Meter oberhalb der Straße im Bereich "Totes Weib" nahe Mürzsteg herrscht noch Gefahr im Verzug, daher müsse die B23 bis voraussichtlich 30. Mai gesperrt bleiben, teilte Verkehrslandesrat Gerhard Kurzmann (FPÖ) am Dienstag mit.

Felsstürze und Hangrutschungen hatte es bereits am Wochenende gegeben. Während die Reste einer Schlammlawine bereits beseitigt werden konnten, werde an den sogenannten Murgangbarrieren noch gearbeitet. Eine Spezialfirma soll auf einer Länge von etwa 50 Metern zumindest dreieinhalb Meter hohe Sperren im Abstand von zwei bis drei Metern von der Fahrbahn errichten. (APA, 20.5.2013)

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