Warum vorzeitiger Samenerguss Beziehungen gefährdet

20. Mai 2014, 14:49
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Für viele Frauen sind weniger die Dauer des Sexualakts selbst als männliche Kontroll- und Hinauszögerungsversuche Quellen sexueller Frustration

Zürich - Rund ein Drittel aller Männer leidet unter vorzeitigem Samenerguss. Für die Mehrheit der Frauen ist aber weniger der verkürzte und höhepunktslose Liebesakt frustrierend. Eine Sexualforscherin der Universität Zürich berichtet nun im "Journal of Sexual Medicine": Sind Männer zu stark auf die Kontrolle des Samenergusses fokussiert, ignorieren sie die sexuellen Bedürfnisse der Frauen und können nicht auf deren individuellen Wünsche eingehen, was die Partnerschaft erheblich gefährden kann.

Koitusdauer für Mehrheit nicht zentral

Der vorzeitige Samenerguss ist eine der häufigsten Sexualstörungen bei Männern. Dass dies auch bei Frauen zu einem erhöhten Leidensdruck und Stress führt, zeigt eine aktuelle Umfrage der klinischen Psychologin Andrea Burri von der Universität Zürich: Rund 40 Prozent der über 1.500 befragten Frauen aus Mexiko, Italien und Südkorea gaben an, dass die die Dauer bis zur Ejakulation sehr wichtig für befriedigenden Geschlechtsverkehr sei. Von der Mehrheit der Frauen wurde aber nicht die kurze Zeitdauer des Liebesaktes als Hauptquelle des sexuellen Frustes angesehen, sondern der Umstand, dass Männer häufig zu stark auf das Hinauszögern des Samenergusses fokussiert seien.

Dadurch würden sie weniger auf sonstige sexuelle Bedürfnisse und individuelle Wünsche der Frauen eingehen. Für die Mehrheit der befragten Frauen besteht erfüllende Sexualität nicht nur aus Geschlechtsverkehr, sondern umfasst auch Küssen, Streicheln sowie andere Formen von sexueller Stimulation, die als ebenso wichtig für eine befriedigende Sexualität erachtet werden.

Geringere Lebensqualität

"Auf Dauer ist die Frau verzweifelt und frustriert. Ähnlich wie der Mann vermeidet auch sie aus Furcht vor einer Zurückweisung und der daraus resultierenden Verletzung der eigenen Sexualität zunehmend den sexuellen Kontakt", sagt Burri. Viele Frauen würden so Lebensqualität einbüßen und letztlich die Partnerschaft in Frage stellen. Dabei würden vor allem jene Frauen unter der einseitigen Aufmerksamkeit des Mannes leiden, die nicht den Geschlechtsverkehr als zentralen Aspekt der Sexualität empfänden, sondern eher die sexuelle Kreativität in den Vordergrund stellten.

"Interessanterweise ist eine lange Koitusdauer vor allem für die Frauen wichtig, die keine Schwierigkeiten haben zum Höhepunkt zu kommen", so Burri. Für jene Frauen, die selten oder nie zum Orgasmus kommen, sei die Koitusdauer nicht zentral. Viel mehr diene hier der sexuelle Akt dem Aufbau und Erleben von Intimität und Bindung. Der vorzeitige Samenerguss werde von Frauen zwar ebenfalls als belastend erlebt, die verkürzte Dauer jedoch als weniger problematisch empfunden als die ungenügende Aufmerksamkeit des Partners auf die restlichen sexuellen Bedürfnisse. (red, derStandard.at, 20.5.2014)

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