Tablets und Handys sind nur "Krücken"

20. Mai 2014, 13:20
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Linzer Kunstuni stellt ihr erstes digitales Magazin vor - Kommunikationsexperten diskutierten bei der Präsentation über die Zukunft der neuen Medien

Linz – Eine experimentelle Spielwiese ist das neue digitale Magazin "splace" nicht nur für seine Entwickler, sondern auch für seine User. Gemeinsam mit ihren Studenten hat Tina Frank, Leiterin der Abteilung Grafikdesign und Fotografie der Kunstuni Linz, ein Magazin im Multiformat für Tablets entwickelt. Die erste Ausgabe, in der sich alles um das Thema Raum dreht, wurde Montagabend im Rahmen der Reihe "Kunst belebt Wirtschaft - Wirtschaft belebt Kunst" im Linzer Oberbank Donauforum präsentiert.

Im Querformat wird aus dem Tablet eine Spielkonsole

"Wir haben mit 'splace' neue narrative Formen" ausprobiert", stellte Frank das "Baby" der Studienrichtung visuelle Kommunikation vor. Das heißt, es gibt von allem etwas: Texte zum Lesen und Zuhören, Bilder zum Anschauen sowie Sachen zum Spielen und Ausprobieren. Im Hochformat präsentiert sich das Tablet quasi als E-Book. Der Bildschirm ist der Länge nach in zwei Hälften geteilt: Links stehen wissenschaftliche Texte, auf der rechten Seite werden vertiefende Informationen angeboten, die mit einem Touch aufgerufen werden können. Im Querformat wird aus dem Tablet eine Spielkonsole, jetzt muss der User aktiv werden.

Durch die Verknüpfung von "Information und Exploration" (Frank) will die Kunstuni zwei Zielgruppen ansprechen: potenzielle Studierende (mit dem Querformat) und eine an Kunst, Design und Medien interessierte Öffentlichkeit.

Herausforderungen

Im Anschluss an die Präsentation diskutierte Frank mit Kommunikationsdesigner Markus Hanzer, Gerhard Kürner, Leiter der Konzernkommunikation der Voestalpine, und Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin des STANDARD, über die Herausforderungen durch die neuen Medien.

Der veränderte Medienkonsum durch Twitter und Facebook habe auch die Voestalpine vor große Aufgaben gestellt, erläuterte Kürner. "Es ist ein Boom entstanden, mitreden zu wollen, denn jede Möglichkeit des Dialogs lädt auch zum Dialog ein." Die Problematik dabei: "Wir brauchen teilweise die gleiche Medienkompetenz wie die Medien selbst, weil wir sonst keine Chance haben, etwa was das Aufbereiten von Themen angeht. Das ist etwas, was uns ganz massiv unter Druck setzt, noch dazu, weil wir kein österreichisches Unternehmen, sondern ein Weltkonzern sind. Hier spielt das Thema Sprache eine große Rolle." So kommuniziere man intern in elf Sprachen, schilderte Kürner die komplexe Situation in seinem Unternehmen.

Sprachwechsler zu Englisch

Auch "splace" erscheint nicht nur auf Deutsch. "Es ist von uns ganz klar das Ziel, weltweit Leute anzusprechen, daher haben wir einen Button, einen Sprachwechsler zu Englisch." Die Medien orientieren sich ohnehin an Amerika und dem angelsächsischen Bereich, "denn sie sind führend in der Entwicklung, in allen Bereichen", erklärte Föderl-Schmid.

"In Amerika geht es um Billionen, wenn wir von Forschungsgeldern reden", erklärt Hanzer, warum die USA in der Entwicklung führend sind. Aber der Trend bereite ihm auch Sorgen. "Wir haben derzeit mehr Fühler und Sensoren als Augen von Menschen, die die Welt beobachten. Aber was macht man mit den Daten, wie kann man sie auswerten? Da hilft uns der Datenschutz überhaupt nicht, weil wir nicht die Devices haben." Österreich hinke zu sehr nach.

Lösungen

So vermisst Kürner etwa in Österreich das frühzeitige Auseinandersetzen mit Themen oder das Suchen nach Lösungen. Das Gefährliche daran sei, dass Österreich im digitalen Bereich fremdgesteuert sei. Nordamerika gebe hier den Ton an, waren sich die Diskutanten einig.

Was derzeit bei den neuen Medien auf dem Markt sei, bezeichnet Hanzer aber ohnehin "alles nur als Krücken, die rasch verschwinden werden". Investiert werde derzeit in die Google-Brillen. Für ihn nur logisch, denn "das mobile Gerät von morgen wird nicht mehr in der Hand getragen", blickte der Kommunikationsdesigner in die Zukunft. Frank hingegen sagte voraus, "dass wir wieder in eine Art Mittelalter zurückfallen werden". Denn die technologische Entwicklung werde die Gesellschaft spalten in jene, die sie bewusst ablehnen, und jene, die sie leben. (Kerstin Scheller, derStandard.at, 20.5.2014)

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splace

  • Texte zum Lesen und Zuhören, Bilder zum Anschauen sowie Sachen zum Spielen und Ausprobieren.
    foto: standard/hannes rettenbacher

    Texte zum Lesen und Zuhören, Bilder zum Anschauen sowie Sachen zum Spielen und Ausprobieren.

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