Fall Pistorius: Ambulante Psychiatrieuntersuchung zugebilligt

20. Mai 2014, 12:24
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Mordprozess gegen südafrikanischen Sportler bis Ende Juni vertagt

Pretoria - Der wegen Mordes angeklagte südafrikanische Sprintstar Oscar Pistorius wird ab kommender Woche ambulant psychiatrisch untersucht. Pistorius werde nicht in eine Klinik eingewiesen, entschied Richterin Thokozile Masipa am Dienstag in Pretoria. Geklärt werden soll, ob der Angeklagte voll schuldfähig war, als er vor mehr als einem Jahr seine Freundin erschoss. Der Prozess wurde bis Ende Juni vertagt.

Pistorius muss ab kommendem Montag jeden Werktag von morgens bis 16.00 Uhr (Ortszeit) als "externer Patient" in die Weskoppies-Klinik in Pretoria kommen, wie Masipa anordnete. Drei Psychiater und ein Psychologe sollen den 27-jährigen Ausnahmesportler bis zu 30 Tage lang untersuchen und befragen. Am 30. Juni soll das Verfahren dann wieder aufgenommen werden. Nach der Entscheidung flüsterte Pistorius mit seinem älteren Bruder Carl und umarmte ihn fest.

"Allgemeine Angststörung"

Eine von der Verteidigung bestellte Psychiaterin hatte Pistorius eine "allgemeine Angststörung" attestiert. Sollte sich bei der klinischen Untersuchung erweisen, dass der Angeklagte nicht schuldfähig ist, könnte das Verfahren eingestellt werden. Auch eine eingeschränkte Schuldfähigkeit würde das mögliche Strafmaß maßgeblich beeinflussen. Sollten die Experten Pistorius hingegen für voll schuldfähig halten, wäre das ein enormer Rückschlag für seine Verteidiger.

Pistorius muss sich seit Anfang März wegen Mordes vor Gericht verantworten. Er hatte seine Freundin Reeva Steenkamp durch die geschlossene Toilettentür seines Hauses erschossen. Der 27-Jährige beteuert, sie für einen Einbrecher gehalten zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass er das Model nach einem Streit tötete.

Die Verteidigung zeichnete von Pistorius in dem Prozess das Bild eines nach einer schwierigen Kindheit und angesichts der hohen Kriminalitätsrate in Südafrika sicherheitsbesessenen Mannes. Diese Faktoren könnten nach ihrer Darstellung erklären, warum Pistorius die tödlichen Schüsse auf die Toilettentür abfeuerte.  (APA, 20.5.2014)

  • Pistorius wurde eine intensive Angststörung und bescheinigt und wird jetzt vier Wochen lang auf seine psychische Verfassung hin untersucht.
    foto: ap/siphiwe sibeko

    Pistorius wurde eine intensive Angststörung und bescheinigt und wird jetzt vier Wochen lang auf seine psychische Verfassung hin untersucht.

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