Setzt Microsoft mit dem Surface aufs falsche Pferd?

20. Mai 2014, 11:41
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Der große Tablet-Boom dürfte vorbei sein - Insider: Microsoft hat Markt falsch eingeschätzt

Microsoft  hatam Dienstag seine anderthalb Jahre alte Surface-Serie aufgefrischt. Doch das Wachstum in dem einst boomenden Markt verläuft nur noch im Schritttempo. Am Dienstag stellte Microsoft das Surface Pro3 vor.

12-Zoll-Bildschirm

Das Surface Pro 3 hat einen 12-Zoll-Bildschirm im Unterschied zum Vorgänger mit 10,6 Zoll. Entsprechend steigt die Auflösung. Gleichzeitig ist das neue Tablet dünner und leichter. Der eingebaute Klappständer ist nun annähernd stufenlos einstellbar; Surface Pro 2 rastete in zwei Positionen ein. Auch die dazugehörige Tastatur und die Eingabe per Stift wurden verbessert. Das Gerät läuft mit Intel-Prozessoren und Windows 8.1.

Das Surface Pro 3 ist in den USA je nach Ausstattung ab 799 Dollar (583 Euro) zuzüglich Steuern zu haben

Markt übersättigt?

Doch in der Branche fürchtet man, dass der ganz große Tablet-Boom vorbei ist. Zudem hat Microsoft gleich zwei Produktserien im Angebot – das eigene, unprofitable Surface und die durch den Kauf der Handysparte von Nokia erworbenen Tablets.

Bisher ist es Microsoft kaum gelungen, sich mit mobilen Geräten auf dem Markt zu etablieren. Tablets mit Windows-Software, darunter auch das Surface, machten weniger als vier Prozent der im vergangenen Jahr weltweit verkauften Geräte aus, haben die Marktforscher von IDC errechnet.

Der neue Microsoft-Chef hat mobile Geräte zu einer strategisch wichtigen Säule erklärt. Doch die Präsentation am Dienstag dürfte zeigen, dass es zu keiner schnellen Trendwende kommen wird. "Die Verlangsamung am Tablet-Markt hat definitiv die Augen geöffnet", sagt Daniel Ives, Analyst bei FBR Capital Markets. "Microsoft bleibt keine Wahl, sie müssen Marktanteile gewinnen, wo sie nur können."

Für Microsoft ist es seit dem Start des Surface im Oktober 2012 nicht rund gelaufen. Der Konzern hat damit bisher 2,64 Milliarden Dollar umgesetzt. Zum Vergleich: Apple hat allein im ersten Quartal iPads im Wert von 7,6 Milliarden Dollar verkauft. Nomura Securities schätzt, dass Microsoft mit dem Surface einen operativen Verlust von etwa zwei Milliarden Dollar eingefahren hat.

Wachstum hat stark nachgelassen

Microsoft hat den Markt falsch eingeschätzt, glauben Analysten und Insider. Als das erste Surface mit seinem großen Bildschirm vorgestellt wurde, waren gerade kleinere Geräte im Trend. Tablets mit Bildschirmen zwischen 7 und 8 Zoll haben laut IDC mehr als die Hälfte der 2013 verkauften Geräte ausgemacht.

Doch nicht nur mit dem Surface läuft das Geschäft derzeit schleppend. Im ersten Quartal lagen die Tablet-Verkäufe um 3,9 Prozent über dem Vorjahr, hat IDC errechnet. Das ist deutlich weniger Wachstum als im ersten Quartal 2013, als sich die Absätze mehr als verdoppelten. Diese Verlangsamung liegt zum Teil an Marktführer Apple, von dem etwa jedes dritte verkaufte Tablet stammt.

Doch in der Tech-Branche fragen sich immer mehr Beobachter, ob der Tablet-Boom bereits seine Grenzen erreicht hat. Unternehmen und Verbraucher behalten ihre Geräte länger und nutzen größere Smartphones für Aufgaben, die sie früher vielleicht auf dem Tablet erledigt haben. "Wie Laptops die Marktanteile von Desktop-PCs haben einbrechen lassen, so greifen Tablets die Laptops an. Aber es ist das Smartphone, das das neue transformative Element ist", sagt Benedict Evans, Partner bei der Wagniskapitalfirma Andreesen Horowitz.

Zwei Hardware-Entwicklerteams im Haus

Apple-Chef Tim Cook sagte im April gegenüber Investoren, dass "der Tablet-Markt den PC-Markt in wenigen Jahren an Größe überbieten wird. Wir glauben, dass Apple ein großer Profiteur dieses Trends sein wird."

Einige Investoren glauben, dass Nadella einen Fehler macht, wenn er weiter eigene Tablets und Smartphones produziert. Nadella, der seit Februar im Amt ist, hat sich noch nicht zu der Frage geäußert, wie die Tablets und Handys Microsoft weiterhelfen, besonders wenn der Marktanteil der Geräte gering bleibt.

Zudem gibt es im Konzern derzeit zwei Hardware-Entwicklerteams. Nokia hat ein eigenes Tablet, das Lumia 2520, das dem Surface ähnelt und von einem Team in San Diego entwickelt wurde. Zudem sprachen die Finnen mit dem Chiphersteller Qualcomm über den Bau eines kleineren Tablets. (Shira Ovide, wsj.de/derStandard.at, 20.5.2014)

  • Am Dienstagabend will Microsoft neue Surface-Tablets vorstellen.
    foto: reuters/shannon stapleton

    Am Dienstagabend will Microsoft neue Surface-Tablets vorstellen.

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