Türkei: Morddrohungen gegen "Spiegel"-Reporter nach Grubenunglück

20. Mai 2014, 11:01
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Weil Magazin titelte "Scher dich zum Teufel, Erdogan" - War aber Zitat eines Bergarbeiters

Istanbul - Nach seiner regierungskritischen Berichterstattung über das Grubenunglück in Soma wird der Türkei-Korrespondent des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", Hasnain Kazim, mit dem Tod bedroht. "Die Hetzkampagne nimmt absolut an Aggressivität zu", sagte Kazim am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Istanbul.

Kazim hatte einen Bergmann in Soma in einer Überschrift bei "Spiegel Online" am vergangenen Mittwoch mit den Worten zitiert: "Scher Dich zum Teufel, Erdogan!" Regierungsanhänger und regierungsnahe Medien erweckten danach den Eindruck, "Der Spiegel" selber wünsche Erdogan zum Teufel. Auf Twitter begann unter dem Hashtag #ScherDichZumTeufelDerSpiegel eine Kampagne gegen das Magazin und Kazim. Er habe inzwischen rund 10.000 E-Mails, Tweets und Facebook-Nachrichten erhalten, sagte der Korrespondent. Darunter seien Drohungen wie "Wenn wir Dich auf der Straße sehen, schneiden wir Dir die Kehle durch". In anderen Nachrichten werde er als "jüdischer Feind" Erdogans beschimpft. Über soziale Medien werde dazu sein Foto verbreitet.

Kazim sagte, die Kampagne scheine organisiert zu sein. "Das sieht man auch daran, dass einige Twitter-Accounts nur mir folgen und sonst keine Kontakte haben." Kazim hatte zunächst mit einem auch ins Türkische übersetzten Bericht auf "Spiegel Online" auf die Kritik reagiert. Danach nahmen die Anfeindungen zu. Die regierungsnahe Zeitung "Yeni Safak" warf Kazim vor, Erdogan zu beleidigen. (APA, 20.5.2014)

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