Solarworld-Chef attackiert China nach mutmaßlicher Industriespionage

20. Mai 2014, 10:13
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"Volksrepublik plant komplette Übernahme der Solarindustrie"

Der Vorstandschef des Solarmodulherstellers Solarworld, Frank Asbeck, greift Peking nach Berichten über Industriespionage durch chinesische Offiziere in den USA scharf an. Es sei "nicht überraschend, dass China zu dem bewährten Mittel der Industriespionage greift", erklärte Asbeck am Montagabend in Bonn.

Sorge um Solarindustrie

"Die Volksrepublik plant die komplette Übernahme der internationalen Solarindustrie mit Mitteln den Dumpings und der Spionage", so Asbeck. Mittlerweile kontrolliere China 80 Prozent des Marktes.

US-Justizminister Eric Holder hatte am Montag Vorwürfe gegen fünf Offiziere der chinesischen Volksbefreiungsarmee öffentlich gemacht, die mit Cyberattacken Handelsgeheimnisse von US-Unternehmen gestohlen haben sollen. Den Angaben zufolge war auch der US-Zweig von Solarworld betroffen. Das chinesische Außenministerium wies die Vorwürfe als "unbegründet und absurd" zurück.

Asbeck begrüßte hingegen, "dass die amerikanische Regierung jetzt initiativ wird". Solarworld unterstütze die Ermittlungen in den USA. Dem chinesischen Vorgehen "muss man sich entgegensetzen", sagte er.

Mehrere Insolvenzen

Die Solarbranche in Deutschland und anderen europäischen Ländern steht wegen billiger Konkurrenz ausChina seit längerem unter Druck. Mehrere deutsche Unternehmen wie Q-Cells, Sovello und Solon mussten Insolvenz anmelden. Auch Solarworld geriet vorübergehend in Schieflage. Im März kaufte das Unternehmen die Fertigungsanlagen von Bosch im thüringischen Arnstadt und erklärte, damit zum größten Hersteller von Solarstromtechnik außerhalb Asiens aufgestiegen zu sein.

"Riesenfabrik" bei Freiburg geplant

Der chinesischen Vormacht in der Branche wollen sich europäische Institute und Unternehmen einem Bericht zufolge gemeinsam entgegenstellen. Das Konsortium erwäge den Bau einer "Riesenfabrik" für Solarmodule, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag. Erwogen werde eine Anlage mit bis zu 1.200 Mitarbeitern, die weit leistungsfähiger wäre als bisher existierende Fabriken.

Falls die Pläne aufgingen, werde Anfang nächsten Jahrs eine Pilotanlage bei Freiburg die Arbeit aufnehmen, schrieb das Blatt. Die eigentliche Großfabrik solle in Frankreich nahe der deutschen Grenze gebaut werden und spätestens 2018 mit der Produktion starten. Durch die schiere Größe der neuen Fabrik sollten die Herstellungspreise für Solarmodule stark sinken - so könnten die chinesischen Preise angegriffen werden.

ISE und INES dahinter

Laut der Zeitung stehen hinter den Plänen unter anderem das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) und das französische Forschungsinstitut INES. Bereits Anfang Februar war bekannt geworden, dass die beiden Institute gemeinsam mit weiteren Akteuren an Plänen für eine große Photovoltaik-Fabrik arbeiten. Das Projekt steht in Zusammenhang mit einer engeren deutsch-französischen Wirtschaftskooperation im Bereich Energie. (APA, 20.5.2014)

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