Praxisjahr: Medizinstudenten mucken auf

19. Mai 2014, 17:16
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Offener Brief wegen fehlender Praktikumsplätze

Wien - Die Probleme rund um das Klinisch-Praktische Jahr für Medizinstudenten (KPJ; muss im sechsten Studienjahr in Spitälern geleistet werden) zeitigen Folgen. Die Med-Uni Wien hat, wie berichtet, noch nicht mit dem größten Krankenhausträger Wiens, dem Krankenanstaltenverbund KAV, verhandelt. In Wien gibt es erst 210 Plätze für rund 640 Betroffene; die übrigen Jobs sind in den Bundesländern.

Die Studenten, die ihre Praktika ab 4. August antreten, äußern ihren Unmut nun auch öffentlich. "Viele sehen sich gezwungen ins Ausland zu gehen, um dort ihr verpflichtendes letztes Studienjahr zu absolvieren", heißt es in einem offenen Brief eines (anonymen) Studenten an Universitätsleitung und andere Involvierte. Viele könnten so ein Auslandsjahr aber nicht finanzieren, "schon aus sozialen Gründen" müsse die Universitätsstadt genügend Plätze anbieten. Angesichts des drohenden Ärztemangels könne es in niemandes Interesse sein, "angehende Ärzte ins Ausland zu zwingen". Selbiges buhle um Mediziner, die Schweiz etwa zahle 1200 Euro im Monat plus Unterkunft.

ÖH wird aktiv

In Österreich bekommen die Studenten im KPJ nichts bezahlt. KAV (und die mit ihm gemeinsam verhandelnden Spitalsträger) wollen pro Studenten 10.000 Euro Kostenbeitrag von der Uni. Diese will nichts bezahlen.

Aktiv wird nun auch die ÖH an der Med-Uni. Sie hat eine Hotline eingerichtet, bei der Senatssitzung Ende der Vorwoche, sei das KPJ im Mittelpunkt gestanden, teilt die ÖH mit - und beruft eine Studierendenversammlung ein.

Die Krankenhausträger (KAV, Vinzenzgruppe, Gebietskrankenkasse) beraten am Dienstag ihr weiteres Vorgehen. Am Donnerstag wird die Med-Uni erstmals offiziell mit dem KAV verhandeln. Angeblich signalisiert die Universität Konsensbereitschaft. (gra, DER STANDARD, 20.5.2014)

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