Sanfte Barbaren: Fotografien des Tschechen Ladislav Michálek

19. Mai 2014, 17:02
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Im Salzburger Literaturhaus ist die Ausstellung "Hrabal-Liben" zu sehen

Passend zum Tschechien-Schwerpunkt eröffnet heute im Salzburger Literaturhaus die Ausstellung Hrabal-Liben: Fotografien aus Prag mit Arbeiten von Ladislav Michálek. Der kürzlich - im April 2014 - verstorbene tschechische Fotokünstler wurde am 15. Juli 1937 im mittelböhmischen Melník geboren. 1959 zog er nach Prag, wo er sich seinen Lebensunterhalt zunächst in einer Elektromotorenfirma verdiente.

Damals lernte Michálek zwei wichtige künstlerische Weggefährten kennen, die ihn zeitlebens beeinflussen sollten: den Schriftsteller Bohumil Hrabal und den Grafiker Vladimír Boudník. Hrabal, der heuer seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, zählt zu den Meistern komischer Literatur, seine kauzigen Helden aus der kleinbürgerlichen Boheme geraten in ebenso skurrile wie drastische Situationen, die sie selten schadlos überstehen.

Ihn und Boudník hat Michálek sehr oft porträtiert, alle drei gehörten zum Kreis der "Sanften Barbaren" und lebten bis in die 1970er-Jahre im von Hrabal als "Damm zur Ewigkeit" bezeichneten Trakt eines Hauses. Ein besonderes Anliegen waren Michálek Aufnahmen der jüdischen Friedhöfe von Prag, Marienbad, Susice, Strakonice und Klatovy. In Salzburg gibt es vor allem Bilder der früheren Prager Vorstadt Liben zu sehen: einst "Judendorf", in dem bis heute Spuren des Industriebooms im 19. Jahrhundert zu finden sind.

Mit der Kamera dokumentierte Michálek in teils reportageartigen, teils subjektiven Fotoserien geschichtliche Ereignisse - vor allem die Zeit von 1968 und 1969. Der damalige Prager Frühling war eine Folge der Entstalinisierung und kulturellen Öffnung seit Beginn der 1960er-Jahre. Letztlich musste Michálek dann aber den Einmarsch der Soldaten des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei 1968 fotografieren. Freier Eintritt. (dog, DER STANDARD, 20.5.2014)

Salzburg, Literaturhaus, 19.30 Uhr, 0662/42 24 11, Ausstellung (bis 30. 6.): Mo-Do, 10-17 Uhr sowie bei Abendveranstaltungen

  • Artikelbild
    foto: literaturhaus salzburg
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