Scheich Al Jaber klagt Immoconsult

19. Mai 2014, 12:04
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2011 hätte ein Luxushotel im Palais Schwarzenberg fertig werden sollen, aber die Immoconsult "zog den Stecker"

Wien - Der austro-saudische Investor Mohamed Al Jaber hätte das seit 2006 leer stehende Wiener Palais Schwarzenberg gerne in ein Luxushotel verwandelt. "Ich wollte das Hotelprojekt realisieren", ließ er über eine Sprecherin ausrichten. Schuld am Scheitern des Vorhabens sei die Volksbanken-Tochter Immoconsult, die in der Finanzkrise "den Stecker gezogen" habe. Al Jaber klagte die Immoconsult.

Die Familienstiftung Schwarzenberg sucht seit Jahren einen Partner für ihr Prunkgebäude in bester Wiener Lage. Nach dem Platzen des Al Jaber'schen Hotelprojekts soll das Palais nun in ein Spielcasino verwandelt werden, so der Plan. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die neuen Investoren, die schweizerische Stadtcasino Baden AG und der deutsche Automatenkonzern Gauselmann, eine der neuen Spielbanklizenzen für Wien ergattern. Diese soll das Finanzministerium bis zum Sommer vergeben, die Konkurrenz für das Palais-Casino ist mit den angestammten Casinos Austria, dem Glücksspielunternehmen Novomatic und dem Konsortium um Investor Michael Tojner, der in seinem Hotel InterConti ein Casino errichten will, groß.

Hotel-Baubewilligung seit 2007

Die Baubewilligung für ein Hotel im Palais liegt schon seit 2007 vor. Diese hat die zum Al-Jaber-Unternehmen JJW gehörende Gesellschaft JJW HPS (Hotel Palais Schwarzenberg) erwirkt. Von 2007 bis 2012 hat die JJW-Gruppe mehr als 17 Mio. Euro in das Projekt investiert, sagte Saskia Wallner, Sprecherin von Al Jaber. Die Familienstiftung Schwarzenberg habe seit 2007 mehr als 5 Mio. Euro als Baurechtzins lukriert.

Dass aus dem Fünf-Sterne-Hotel nichts wurde, liegt - laut Al Jaber - an der Immoconsult ARES. Al Jaber hatte diese ins Boot geholt, die Volksbanken-Tochter hätte das Projekt abwickeln und zum Teil finanzieren sollen. Die Immoconsult schloss einen Baurechtsvertrag mit der Schwarzenberg-Stiftung ab und verpachtete das Palais im Juli 2007 an die JJW-Gruppe. "Die Finanzierung des Projekts sollte über einen Kredit der Immoconsult an die JJW HPS in Höhe des geplanten Projektvolumens von 60 Mio. Euro laufen. Die JJW und andere Partner brachten Eigenkapital in Höhe von 11,2 Mio. Euro in die JJW HPS ein", erklärte Wallner.

Deutlicher Kostenanstieg

Es kam aber alles anders. Das Projekt verteuerte sich auf 90 Mio. Euro, unter anderem sollte ein weiterer Trakt des Palais Teil des Hotels werden. Der Scheich hatte sich laut seiner Sprecherin bereiterklärt, 20 Mio. Euro zusätzlich zu investieren, für die restlichen 10 Mio. Euro habe er einen weiteren Partner an Bord geholt. Das Geld sollte jedoch erst fließen, wenn die Immoconsult tatsächlich mit dem Bau beginnen würde, so Wallner.

Im April 2011 kündigte dann die Immoconsult den Pachtvertrag mit Al Jaber. Begründet sei dies mit der Nicht-Bereitstellung der 20 Mio. Euro durch die JJW HPS worden. Daraufhin klagte Al Jaber die Immoconsult auf Vertragseinhaltung, schließlich sei die 20-Mio.-Kapitalaufstockung der JJW HPS durch die JJW-Gruppe Ende 2011 erfolgt. Das Verfahren läuft.

"Die Zusage der Immoconsult, den Kredit auf die neue Höhe des Projektvolumens aufzustocken, fiel einem Vorstandswechsel und vor allem den heute allseits bekannten Schwierigkeiten der Volksbanken-Gruppe zum Opfer und wurde nicht eingehalten", so Wallner. Die plötzliche Vertragskündigung sei auch vor dem Hintergrund der Finanzkrise und der massiven ÖVAG-Probleme zu sehen.

Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber hat laut Wallner nicht nur die Immoconsult, sondern auch die Stiftung der Familie Schwarzenberg geklagt. Von dieser verlangt er Schadenersatz für seine Aufwendungen im Zusammenhang mit der Baubewilligung. Al Jaber jedenfalls habe alle Verpflichtungen aus dem Projekt beglichen, sogar noch im vertragslosen Zustand 2012 weiter Geld hineingesteckt. Ursprünglich war die Fertigstellung des Hotels für das Jahr 2011 geplant. (APA, 19.5.2014)

  • Um das Palais Schwarzenberg tobt ein Streit.
    foto: standard/matthias cremer

    Um das Palais Schwarzenberg tobt ein Streit.

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