Gipfel bei Insolvenzen in Sicht

19. Mai 2014, 17:12
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Wirtschaft fasst langsam Tritt, Pleiten gehen zurück, Frankreich bleibt Sorgenkind

Wien - Der Aufstieg war lang und deprimierend, nun aber scheint der mittlere Gipfel bei den Unternehmensinsolvenzen in Europa erreicht. Darauf deuten zumindest Daten und Feststellungen der Unternehmensauskunftei Creditreform hin. Dass die Zahl der Pleiten in Europa insgesamt nicht weiter steigen sollte, heiße aber nicht, dass es in einzelnen Ländern nicht noch schlimmer kommen könne.

"Insgesamt schaut es gut aus, es gibt aber einige Unwägbarkeiten," sagte Helmut Rödl, Aufsichtsratsvorsitzender der Creditreform Rating AG, in einer Pressekonferenz am Montag. Dazu zähle die Entwicklung in der Ukraine. Niemand könne seriöserweise vorhersagen, wie sich die Lage dort entwickelt. Ein großes Fragezeichen hänge auch über der Baukonjunktur in Spanien. Fasse die Branche wieder Tritt, könne das entlastend auf die Insolvenzstatistik wirken, andernfalls eben nicht.

Gerade in Spanien gab es im Vorjahr noch eine starke Zunahme der Pleiten - plus 14,6 Prozent. Auch in Norwegen (plus 19,7 Prozent), Italien (plus 15,6 Prozent), Schweden (plus 3,6 Prozent) und Frankreich (plus 2,1 Prozent; siehe Grafik) mussten im Berichtszeitraum mehr Unternehmen Pleite anmelden als im Jahr davor.

Sorgenkind Frankreich

Frankreich liegt, was die wirtschaftliche Erholung betrifft, weit abgeschlagen. Rödl: "Die Wirtschaft stagnierte 2013 das zweite Jahr in Folge, die Arbeitslosenrate ist mit elf Prozent sehr hoch. Zudem hat die Regierung Hollande erst kürzlich ein 50 Milliarden-Sparprogramm aufgelegt."

Insgesamt sind die Firmenpleiten in Westeuropa (inklusive Norwegen und Schweiz) noch leicht um 1,1 Prozent auf gut 192.000 gestiegen. Immerhin acht Länder wiesen eine rückläufige Insolvenzzahl auf. Am deutlichsten fiel der Rückgang in Irland mit minus 18,9 Prozent aus, gefolgt von Großbritannien (minus 9,9 Prozent) und Dänemark (minus 8,5 Prozent). Österreich war mit 5750 Pleiten (minus 8,3 Prozent) mit Deutschland gleichauf (minus 9,1 Prozent auf 26.000 Insolvenzen).

Im ersten Quartal 2014 ist die Zahl der Insolvenzen da wie dort nochmals zurückgegangen, was Rödl in der Annahme bestärkt, dass sich dieser Trend im heurigen Jahr fortsetzen wird.

Bulgarien schert negativ aus

Mehr Unternehmensinsolvenzen gab es 2013 auch in Osteuropa: Nach 97.000 Pleiten wurden im Berichtsjahr 101.000 Insolvenzfälle gezählt. Gegenüber 2010 ist das beinahe eine Verdoppelung. Zahlenmäßig die meisten Insolvenzen gab es erneut in Ungarn, auch wenn die Zahl um etwa 3000 auf rund 47.300 gesunken ist.

Fast verdreifacht hat sich im Vorjahr die Zahl der Pleiten in Bulgarien (1232 nach 383). Auch in Tschechien und Slowenien gab es im Jahresabstand zweistellige Prozentanstiege. Handel und Gastgewerbe weiteten ihren Anteil am Insolvenzgeschehen aus - eine Entwicklung, die auch auf den Westen Europas zutrifft.

In Russland sowie in der Ukraine ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Berichtszeitraum, also noch vor Ausbruch der jüngsten Spannungen zwischen beiden Ländern, zurückgegangen. Das dürfte sich heuer wieder ins Gegenteil verkehren, meinen die Experten von Creditreform.

Ein deutlich positiver Trend ist hingegen in den USA ablesbar: Die Gesamtzahl der Insolvenzen ist 2013 von 1,2 Millionen auf 1,07 Millionen gesunken. (stro, DER STANDARD, 20.5.2014)

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    grafik: apa
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