Wo Lobbyisten in Glasburgen herrschen

19. Mai 2014, 10:33
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Ring Freiheitlicher Jugend wähnt EU auf falschem Kurs, ein Austritt käme aber nicht infrage

Wien - Mit dem Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) hatten wir anfangs leichte Startschwierigkeiten, schließlich steckte Bundesobmann Udo Landbauer kurz vor unserem ersten Termin wegen einer Autopanne in St. Pölten fest. Beim zweiten Anlauf fanden wir uns dann schließlich im Wiener Büro des RFJ wieder, das sich lustigerweise mitten im Bobo-Bezirk Neubau befindet, der politischen Hochburg der Grünen.

Natürlich kommt auch der RFJ um unsere Standardfrage nicht herum: "Wie würdest du die EU bewerten, bei einer Skala von eins bis zehn?" Drei Punkte vergibt Landbauer, denn obwohl es auch positive Seiten an der EU gäbe, sei ihr grundsätzlicher Kurs nicht der richtige.

Die Souveränität der Staaten sei nicht mehr gegeben, und seit seinem jüngsten Brüssel-Besuch ist der 28-Jährige von den dortigen Politikern entsetzt, die "in Glasburgen sitzen und gar nicht wissen, was in der Welt passiert". Der "Regulierungswahn" sei ein Beispiel dafür, dass in der EU Lobbyisten das Sagen hätten.

Damit unterscheidet sich die EU-Kritik gar nicht mal so sehr von den Jungen Grünen. Gesellschaftspolitisch trennen sie Welten. Dass das Bundesteam des RFJ bis auf zwei "Schriftführerinnen" eine reine Männerrunde ist, scheint dem Obmann wenig zu stören: "Solange ich irgendeine Funktion wahrnehme, gibt es keine Frauenquote! Jede Frau, die etwas werden will, kann das tun - aber mit Quoten erreiche ich nichts. Die senken nur das Niveau."

Cannabis würde der Niederösterreicher niemals erlauben: "Da könnte ich auch gleich Heroin legalisieren." THC sei eine Einstiegsdroge, er selbst rauche ausschließlich Zigaretten.

Eines der Hauptanliegen des RFJ ist es, die "Massenzuwanderung" zu stoppen. Dafür stehen sie auch international ein: Im April schloss sich der RFJ mit den rechten Jugendorganisationen des Front National (Frankreich), Vlaams Belang (Belgien) und den Schwedendemokraten zur Young European Alliance for Hope (YEAH) zusammen.

Trotz aller Kritik betont Landbauer: "Wir sagen nirgends: Raus aus der EU!" Dass es Politiker in den eigenen Reihen gibt, die zum Wahlboykott aufrufen, kann er ganz und gar nicht nachvollziehen.

In Schuldiskussionen sagt er stets: "Bitte schön in Gottes Namen, gehts wählen! Vollkommen wurscht, wen ihr wählt, aber gehts wählen!" Denn: "Jeder, der nicht wählt, hat jegliches Recht verworfen, für die nächsten fünf Jahre weiterzuschimpfen." (Nadine Dimmel (15) Jakob Sturn (17), DER STANDARD, 19.5.2014)

Parteijugend zur EU-Wahl:

Sozialistische Jugend

JVP

Grüne 

Junos

  • Hat kein Verständnis für Nichtwähler: RFJ-Obmann Udo Landbauer.
    foto: rfj

    Hat kein Verständnis für Nichtwähler: RFJ-Obmann Udo Landbauer.

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