HSV zieht den Kopf aus der Schlinge

18. Mai 2014, 19:37
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Hamburger behalten nach einem 1:1-Remis beim Relegationsspiel in Fürth ihre makellose Erstklassigkeit

Fürth - Pierre-Michel Lasogga rammte Sportdirektor Oliver Kreuzer regelrecht aus dem Weg, riss ihn zu Boden und fiel Trainer Mirko Slomka in die Arme. Nach dem im letzten Moment verhinderten Absturz ließ vor allem der Lebensretter des Hamburger SV seinen Gefühlen freien Lauf. Lasogga hatte beim 1:1 (0:0) im Relegations-Rückspiel bei der SpVgg Greuther Fürth das wichtige Auswärtstor (14.) geschossen, das nach dem 0:0 in Hinspiel den historischen ersten Abstieg in die 2. Bundesliga verhindert hat.

Tick tack

Die Bundesliga-Uhr tickt nach 50 Jahren und 267 Tagen weiter, eine desaströse Spielzeit endete mit einem Happy End, doch  Heiko Westermann war für Freude viel zu geschlaucht. "Ich bin weg, auf einem anderen Planeten", sagte der Abwehrspieler in der ARD: "Noch so eine Saison ertrage ich nicht, sonst bin ich selbstmordgefährdet. Wir haben nach einer schlechten Saison Glück gehabt, dass wir nicht abgestiegen sind."

Lasogga ließ seine Freude nicht nur am eigenen Sportdirektor aus, sondern auch am Gegner. Der Stürmer jubelte provozierend vor der Bank, womit er beinahe eine Massen-Schlägerei auslöste. "Wenn man 90 Minuten beleidigt wird von der Bank, dann ist es einfach Genugtuung, dann ist mir alles scheißegal. Ich bin einfach voller Adrenalin", rechtfertigte er sich.

Schwere Geburt

Die nur im zweiten Durchgang starken Franken verpassten derweil den direkten Wiederaufstieg und die Möglichkeit, erstmals in der Vereinsgeschichte eine Liga höher als der just abgestiegene Erzrivale 1. FC Nürnberg zu spielen.

"Wir sind überglücklich. Das war eine schwere Geburt", sagte HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer in der ARD: "Manche sagen, es war peinlich, dass wir mit 27 Punkten die Relegation spielen durften. Aber das ist mir egal."

Lasogga sorgte mit der Führung (14.) zunächst für kollektive Erleichterung bei den 1800 mitgereisten Hamburger Fans, den 15.000 Anhängern beim Public Viewing in der Hamburger Arena und Trainer Mirko Slomka. Stephan Fürstner hielt die Aufstiegshoffnungen der Fürther mit dem Ausgleich am Leben (59.), letztlich jedoch vergeblich.

Im Gegensatz zu den vergangenen Wochen ließen die Spieler des HSV vor 17.500 Zuschauern in Fürth den Kampfansagen endlich Taten folgen. Zweikampfstark und mit hoher Laufbereitschaft  kamen die chronisch auswärtsschwachen Gäste energisch aus der Kabine und belohnten sich früh. Nach einer Ecke von Kapitän Rafael van der Vaart stieg der im Abstiegskampf lange schmerzlich vermisste Lasogga am höchsten und köpfte wuchtig ein. Unmittelbar vor der Standardsituation war Hakan Calhanoglu bei einer Doppelchance am Pfosten gescheitert, den Nachschuss des agilen Jansen parierte Fürths Schlussmann Wolfgang Hesl.

Mut, Leidenschaft und Vollgas

Auch nach dem ersten Treffer gab Hamburg über weite Phasen des ersten Durchgangs die Spielkontrolle nicht ab und hätte durch Lasogga, der aus 16 Metern zu unplatziert abschloss, höher führen können (35.). Fürth blieb dagegen lange Zeit unter den eigenen Möglichkeiten. Erst ein leicht verzogener Schuss von Angreifer Ilir Azemi (40.) sorgte für Gefahr vor dem Tor von Jaroslav Drobny.

Zur Pause schien der HSV nicht nur den Gegner, sondern auch das zurückhaltende Fürther Publikum im Griff zu haben. Fürths Sportdirektor Rouven Schröder forderte bei Sky: "Es liegt auch in unserer Hand, dass die Zuschauer den Schalter nochmal umlegen. Ich will jetzt Mut, Leidenschaft und Vollgas sehen."

Nach einer Viertelstunde Leerlauf im zweiten Durchgang, in der Hesl das Kleeblatt mit einem starken Reflex nach einem Lasogga-Kopfball aus kurzer Distanz im Rennen hielt (52.), schaltete das Team von Trainer Frank Kramer hoch. Zoltan Stieber steckte stark auf Fürstner durch, der mit seinem Tor eine hitzige Schlussphase einleitete. Das Anlaufen der Gastgeber blieb aber unbelohnt. (sid/red. 18.05. 2014)

  • Aufatmen beim HSV.
    foto: ap/schrader

    Aufatmen beim HSV.

  • Artikelbild
    foto: reuters/orlowski
  • Freude.
    foto: reuters/bimmer

    Freude.

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