Müllmafia im Bremer "Tatort": So oder so ist das Leben - Top oder Flop?

Ansichtssache18. Mai 2014, 18:43
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Aus dem Müll erfährt man viel über die Menschen. Eine große Weisheit, die man im Bremer "Tatort: Alle meine Jungs" lernt. Es geht in dieser Folge, die mit einem dahingemeuchelten Müllmann beginnt, um die Macht der Männer in Orange.

orf/ard/jörg landsberg

Die Kommissare Lürsen und Stedefreund treffen auf eine Art Müllmafia: Das Bremer Entsorgungsunternehmen beschäftigt Ex-Strafgefangene, vermittelt von einem Bewährungshelfer, der zwar nicht "Pate", sondern "Papa" geheißen wird, aber trotzdem irgendwie mafiamäßig in einem Asia-Restaurant Audienz gewährt. Die Müllmänner leben alle in derselben Straße, sie haben einen eigenen Fahrdienst und auch sonst allerlei Annehmlichkeiten.

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Das liegt freilich nicht daran, dass hier erfolgreich Resozialisierung stattgefunden hätte. Eher schon an kriminellen Geschäften. Das hat gute, stringente Momente, in denen etwa einer der Ex-Knackis von Sondermüll und illegalen Absprachen erzählt. Nur: Zumeist wird die schmale Grenze zwischen "lebenssatt" und "völlig haltlos" eindeutig überschritten.

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In einer seltsamen Fixierung auf das Müllmännermotiv treten diese teilweise in Zeitlupe auf, als wären sie Rockstars. Sie haben Tattoos und den bösen Blick, saufen und grillen, einer trägt zu allem Überfluss eine Augenklappe. Fehlte eigentlich nur noch ein Schild: "Achtung, böse Jungs!"

Außerdem wird der vielzitierten deutschen Unterschicht gehuldigt, mit Frauen, die zu viel Lidschatten und zu kurze Hosen tragen, und wehrlosen Babys, die Rihanna heißen und plärren, während Mami ihren Sektrausch ausschläft. "So oder so ist das Leben", singt die Knef am Ende. Das ist wahr. Nur hätte man hier das "oder" nicht durch ein "und" ersetzen dürfen. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 19.5.2014)

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foto: orf/ard/jörg landsberg

"Ein paarmal hat man Angst, dass die schwierige Erzählanordnung in sich zusammenfällt. Tut sie aber nicht. Was auch an den Figuren liegt, die angenehm ambivalent bleiben. Die Müllmänner sind eben nicht eine Truppe sozialer Randgestalten, die auf unser Mitleid angewiesen sind. Sie bilden vielmehr eine 'ehrenwerte Gesellschaft' - mit all deren Vor- und vor allem Nachteilen", schreibt dazu Christian Buß im "Spiegel.

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Holger Gertz urteilt in der "Süddeutschen Zeitung so: "Vieles ist für sich sehr liebevoll gezeichnet, im großen Ganzen geht es durcheinander. Irgendwann wird beim Chinesen eine Speise serviert, die aussieht wie Labskaus Shanghai. Alles in allem. So schmeckt der Tatort."

Wie hat Ihnen diese Folge gefallen? Top oder Flop? (red, derStandard.at, 18.5.2014)

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