TA-Großaktionär Amov auf Weg nach München

18. Mai 2014, 17:33
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Mexikanern wird Interesse an Netzteilen des deutschen Mobilfunkers O2 nachgesagt

München / Mexiko-Stadt / Madrid / Wien - Telekom Austria (TA) ist eingesackt, nun zieht América Móvil (Amov) weiter. Der mexikanische Telekom-Konzern des Milliardärs Carlos Slim könnte in einem nächsten Schritt in Deutschland groß "aufdrehen" - allerdings nicht in Südosteuropa über die TA, sondern mitten in der EU. Denn im Zuge der Fusion der deutschen Mobilfunkbetreiber O2 und E-Plus sind Teile von deren Handynetzen abzugeben. In diesem Fall rechnen Experten mit einem Start des Amov-Imperiums in Deutschland, berichtet das Nachrichtenmagazin Focus.

Im Zuge der Fusion von O2 und E-Plus werde es wahrscheinlicher, dass Deutschland einen neuen Anbieter erhält. Die EU-Wettbewerbsbehörde könnte der Muttergesellschaft von O2, dem spanische Exmonopolisten Telefónica, die Auflage erteilen, ihr deutsches Mobilfunknetz teils abzugeben und so einem neuen Anbieter finanzielle Starthilfe zu leisten. Auch die deutsche Monopolkommission fordert zur O2-/E-Plus-Fusion einen weiteren Wettbewerber - hier rechnen Branchenfachleute mit Amov.

"Ein neuer Anbieter würde auf jeden Fall ein Startkapital in Milliardenhöhe benötigen", sagt NordLB-Analyst Wolfgang Donie. Amov könnte sich für einen deutschen Mobilfunker interessieren, schreibt Focus unter Hinweis auf Informationen aus Wien. Dort ist Slims Konzern gerade dabei, die TA zu übernehmen. Er nimmt dafür bis zu 1,4 Milliarden Euro in die Hand, das Übernahmeangebot läuft bis 10. Juli - der Standard berichtete.

O2 wollte diesen möglichen Schachzug nicht kommentieren, man sprach von "Spekulationen".

Die Übernahmekommission der Wiener Börse hat soeben das Übernahmeangebot von Amov an den TA-Streubesitz genehmigt, der 44,7 Prozent des Aktienkapitals hält. Amov bietet über das niederländische Vehikel Carso Telecom 7,15 Euro je TA-Aktie.

Österreich laboriert noch an den Nachwehen des Syndikatsvertrags zwischen den TA-Großaktionären Amov und ÖIAG. Der Aufsichtsrat der Verstaatlichtenholding (hält 28,4 Prozent) hat am 23. April einen Syndikatsvertrag beschlossen, der Amov die industrielle Führung der TA auch dann garantiert, wenn das Übernahmeangebot scheitern sollte. Offen ist auch, ob die Belegschaftsvertreter im ÖIAG-Aufsichtsrat den Beschluss anfechten, weil der Aufsichtsrat nicht aus 15 Mitgliedern besteht, wie im ÖIAG-Gesetz vorgesehen, sondern nur aus 14.

Neben der TA ist Slims Konzern an der niederländischen KPN beteiligt, scheiterte 2013 aber bei der Übernahme am Widerstand der Niederländer. (Reuters; ung, DER STANDARD, 19.5.2014)

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