Deutsche Bank streitet intern über Libor-Affäre

18. Mai 2014, 14:24
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Das Arbeitnehmerlager im Aufsichtsrat lehnt die außergerichtliche Einigung mit vier 2013 entlassenen Mitarbeitern ab

Frankfurt am Main - Die Führung der Deutschen Bank ist offenbar uneins über den Umgang mit der Libor-Affäre um manipulierte Zinssätze, berichtet der "Spiegel". Die Bank hatte 2013 vier Mitarbeiter wegen Verstrickung in den Skandal entlassen. Die Mitarbeiter hatten sich aber wieder eingeklagt und erklärt, sie hätten nur umgesetzt, was ihre Vorgesetzten von ihnen erwarteten. Im Juli geht das Verfahren in Berufung.

Co-Chef Anshu Jain und Rechtsvorstand Stephan Leithner wollten sich zuvor außergerichtlich mit den Beschäftigte einigen und baten um Zustimmung durch den Aufsichtsrat. Der Chef des Aufsichtsgremiums, Paul Achleitner, unterstützte den Vorstoß.

Das Arbeitnehmerlager, angeführt von Ver.di-Chef Frank Bsirske, lehnte einen Vergleich jedoch ebenso ab wie einige Vertreter der Anteilseignerseite um den früheren UBS-Banker John Cryan. Eine plötzliche Kehrtwende könne als Schuldeingeständnis gesehen werden, nachdem die Bank bisher stets behauptet hatte, die Führungsebene habe sich in der Libor-Affäre nichts zuschulden kommen lassen, argumentierten die Kontrolleure.

Deutsche Finanzaufsicht prüft weiterhin

Für die Rolle der Bankführung in der Affäre interessiert sich weiterhin auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin. Anfang der abgelaufenen Woche hat sie den früheren Zinshändler des Konzerns, Christian Bittar, in Singapur zu dem Skandal um manipulierte Referenzzinssätze befragt. Bittar soll an der Manipulation von Referenzzinssätzen beteiligt gewesen sein und allein 2008 rund 80 Mio. Euro verdient haben.

Offenbar Mega-Kapitalerhöhing in Planung

Die Deutsche Bank plant nach "Handelsblatt"-Informationen aus Finanzkreisen den Startschuss für die zweitgrößte Kapitalerhöhung der Konzerngeschichte. Die Verhandlungen zögen sich allerdings bis Sonntag Abend hin und seien noch nicht endgültig abgeschlossen, berichtete die Zeitung vorab.

Den Planungen zufolge sollten 8 Mrd. Euro eingesammelt werden durch die Ausgabe neuer Aktien. Ein Teil der neuen Aktien soll demnach unter Ausschluss des Bezugsrechts an einen einzelnen Großinvestor gehen. Dieser Ankeraktionär könnte am Ende zwischen fünf und acht Prozent der Aktien des Geldhauses halten. Der Rest der Kapitalerhöhung soll auf eine Platzierung mit Bezugsrechten entfallen, die von den beteiligten Investmentbanken voll garantiert wird.

Die neuen Anteile würden voraussichtlich wie bei Kapitalerhöhungen dieser Größenordnung üblich mit einem Abschlag von 25 bis 30 Prozent auf den aktuellen Kurs angeboten.

Bis Ende Juni solle die Aufstockung der Reserven abgeschlossen sein. Dann solle die harte Kernkapitalquote der Bank bei 11,5 bis zwölf Prozent liegen, deutlich über der aktuellen Quote von 9,5 Prozent. (APA, 18.5.2014)

  • Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe.
    foto: reuters/lisi niesner

    Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe.

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